Spät kommt der Vergleich, den kürzlich Vertreter des einst maßgeblich an der mitteldeutschen Montanindustrie beteiligten Ignaz Petschek mit der Salzgitter AG protokolliert haben. Was in den Hauptversammlungen von zwei bedeutenden Petschek-Unternehmen, der Niederlausitzer Kohlenwerke in Liquidation Berlin, und der "Eintracht" Braunkohlenwerke und Briketfabriken (offizieller Firmenname mit nur einem "t") in Liquidation, zur Sprache kam, zeugt vielmehr von der auch in der Wirtschaft zuweilen noch "unbewältigten Vergangenheit".

An den Niederlausitzer Kohlenwerken (Grundkapital 24,2 Mill. RM) war Petschek zuletzt mit rund 60 %, an der "Eintracht" (Grundkapital 24 Mill RM) zu rund 57 % beteiligt. 1939 wurden beide Gesellschaften einem Treuhänder unterstellt, der sie für 47,8 bzw. 45,4 Mill. RM an eine eigens für solche "Arisierungen" gegründete GmbH veräußerte. Aus dem Liquidationserlös erhielten die nicht von den "Nürnberger Gesetzen" betroffenen Aktionäre in je vier Raten fast 210 Prozent ihres Nominalbesitzes. Die so ausgehöhlten Firmenmäntel gingen dann an die "Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten" über.. Die Erlösanteile des rechtmäßigen Großaktionärs wurden überwiegend in 43 Mill. RM unverzinslichen Reichsschatzanweisungen ("U-Schätzen") angelegt. Während die geringeren Portefeuilles von verzinslichen Schatzanweisungen und die Uraltkonten später wie allgemein üblich 10 : 1 aufgewertet wurden, sieht das Allgemeine Kriegsfolgengesetz keine Entschädigung für "U-Schätze" vor. Wegen dieser Vermögensteile haben beide Gesellschaften deshalb ein Restitutionsverfahren beim Bundesfinanzministerium eingeleitet, das die Verwaltung als aussichtsreich ansieht.

Der Vergleich mit der Salzgitter AG und der Reichswerke AG in Liquidation, den die bisher leer ausgegangenen Aktionäre zusammen mit den Abschlüssen für 1949 bis 1961 einstimmig billigten, hat nur wegen der komplizierten Materie so lange auf sich warten lassen. Er sieht den Übergang von 45 % der Kuxe der Salzgitter-Tochter Märkische Steinkohlengewerkschaft Heessen (Westfalen) an die Familie Petschek vor. Dafür erhält die Salzgitter AG von den Aktien der beiden Petschek-Gesellschaften und der ursprünglich zum gleichen Konzern gehörenden Braunkohlenwerke Borna (Bezirk Leipzig) zusammen 40 %. Ferner werden nom. 7,9 Mill. DM Aktien der Anhaltischen Kohlenwerke AG, Berlin, an die "Niederlausitzer" und "Eintracht*’ abgetreten.

Es ist zu hoffen, daß dieser späte Vergleich dazu beiträgt, ähnliche Fälle einer Lösung näherzubringen. G. G.