Bonn

Auch minderbemittelten Bundesbürgern ist es neuerdings vergönnt, Urlaubsfreuden an bevorzugten Stätten wohlhabender Schichten zu genießen. Nur 12 bis 14 Mark kostet zum Beispiel ein Aufenthalt (Vollpension) in einem komfortablen 130-Betten-Hotel an einem der schönsten und teuersten Wintersportplätze Europas – im vornehmen schweizerischen Kurort Davos.

Bewerber um billige Aufnahme in dem modernen Riesenbau "Mon Repos" (mit Winter- und Sommersaison) in Davos-Dorf haben nur eine Bedingung zu erfüllen: Sie müssen – zivil oder uniformiert – dem Bundesverteidigungsministerium, der Bundeswehr oder nachgeordneten Dienststellen (Wehrbereichsverwaltungen- und -kommandos, Standorte) angehören. Das repräsentative Hotel "Mon Repos", das sich diskret "Erholungsheim" nennt, wird nämlich vom Bundeswehr-Sozialwerk e. V. betrieben. Dem Verein können alle Mitglieder des Verteidigungsbereichs nebst Familie mit einem Mindestbeitrag von einer Mark monatlich beitreten; Angehörige zahlen keinen Obolus.

Das Sozialwerk, im Mai 1960 gegründet, vermittelt seinen 38 000 Mitgliedern (60 Prozent Zivilisten, 40 Prozent Militärs) nicht nur in Davos, sondern noch an einem Dutzend, weiterer fashionabler Orte preiswerte Erholung: auf Norderney, in Grömitz an der Ostsee, im Allgäu und im Schwarzwald, in Ettenhausen, Garmisch, Sudelfeld und am Spitzingsee (alle Bayern), in Bad Zwischenahn (bei Oldenburg), in Daun (Eifel) und in einem komplett gepachteten Wohnwagendorf im holländischen Brielle.

Der Durchschnittspreis für Vollpension beträgt an allen Ferienorten etwa 10 Mark. Diese Jedermann-Preise decken die Kosten natürlich nicht; der Vorsitzende des Bundeswehr-Sozialwerks, Major Kattengell vom Standort Bonn, weiß denn auch zu rühmen: "In Davos und Norderney sind wir mindestens 50 Prozent unter den üblichen Preisen."

Kattengells Betreuungsverein, dessen Funktionäre durchweg hauptamtlich Bundesbedienstete sind, arbeitet gleichermaßen als Reisebüro (mit 50prozentiger Fahrpreisermäßigung), Hotelpächter, Kinderverschickungs- und Müttergenesungs-Institut. In jedem der sechs westdeutschen Wehrbereiche ist ein Sozialwerk-Bezirksverband etabliert, der die Zimmerbestellungen zwischen Nordseeküste und schweizerischen Bergen entgegennimmt.

Direkt unterm Dach der Ermekeil-Kaserne in Bonn, dem Amtssitz Minister von Hassels, verwaltet ein Wehrbeamter die Sonderstelle für Ministerialbedienstete und Militärattachés im Ausland. Auch diese Vorposten des Verteidigungsministeriums sollen von den sozialen Vergünstigungen des Kommandos Kattengell nicht ausgeschlossen sein.