"Der Sündenbock – Der Musterschüler – Das Bleichgesicht" (USA: Verleih: Atlas): Nach dem "General" gibt es nun einen neuen abendfüllenden Buster Keaton in unseren Kinos, weitere sollen folgen. Das ist gerecht, denn Keaton zeigt sich Chaplin ebenbürtig. Die erste Episode, die schwächste der Zusammenstellung, ist ein früher Keaton und hat bei aller Situationskomik noch nicht die Schärfe der späteren Kurzfilme, ist ähnlich aufgebaut wie der berühmte "Buster zieht um", aber nicht so konsequent auf die Verfolgung des Einzelnen durch die aufgebrachte Menge (Polizisten) hin inszeniert. Buster gerät hier mehr oder weniger zufällig ins Getriebe und auch wieder heraus. "Der Musterschüler", etliche Jahre später entstanden, zeigt Busters Kampf um Anerkennung an einem von sportbesessenen Hohlköpfen wimmelnden College. Die Anpassung gelingt ihm nicht, er bleibt isoliert, und wenn er am Ende höher und weiter springt und schneller läuft als alle anderen, so ist das keine Unterwerfung, sondern Triumph. "Das Bleichgesicht", wieder ein früherer Film, ist ein Meisterwerk. Listig und gewandt setzt sich Keaton in den unmöglichsten Situationen durch, übertölpelt einen Indianerstamm, aber nur, um dessen Rechte gegen die vordringenden Weißen zu verteidigen. Ein erstaunliches Plädoyer, wenn man bedenkt, daß der Film vierzig Jahre alt ist und mit der Rassendiskriminierung bis heute in Amerika noch nicht aufgeräumt wurde. Werner Schwiers Zwischentitel ärgern wieder einmal durch ihre hilflose Witzelei, die mitleiderregend hinter Keatons Humor zurückbleibt. uwe

"Zeit der Anpassung" (USA; Verleih: MGM): Eine psychoanalytische Affäre. Zwei Ehepaare zergliedern einander die Seele zwecks besserer Anpassung. Dem Ex-Korea-Helden (hervorragend: Jim Hutton) kann dadurch das Zittern vorm Ehebett abgewöhnt werden. Der Tatterjüngling reift zum vollwertigen Ehemann. – Verfilmt wurde das Stück von Tennessee Williams (Period of Adjustment). Auf der Bühne fiel das Stück jämmerlich durch, als es im vergangenen Jahr in den Hamburger Kammerspielen seine europäische Erstaufführung erlebte. Der Film macht jetzt den Schaden mehr als wett. Regisseur George Roy Hill traf den Williams-Nerv und inszenierte das Nervenbündeldrama als gutbürgerliche Komödie; perfid-geschickt gewinnt er den psychischen Defekten seiner Eheleute komische Wirkungen ab: Am schönsten lacht sich’s doch über die Meise, die der andre hat. Aber seht, nicht zu laut, und sehr geschmack- und taktvoll wendet der Film beizeiten seinen Blick vom Schlüsselloch ab und schlägt vornehm ernste Töne an. Souverän steuert Hill sein Hysterieschiff in den Moralhafen: Wer ehelicht, der muß sich fügen. – Gediegenes Schauspiel bieten Lois Nettleton, Jim Hutton und auch Tony Franciosa, vor allem und gerade aber Jane Fonda: Wer sie nicht mag, der mag den ganzen Williams nicht – und solche Leute soll’s ja geben. kub