In den nächsten Wochen wird in den Schaufenstern aller Buchhandlungen Ostberlins und der DDR dieses Plakat prangen. Obendrein organisieren drei Verlage, nämlich der (partei-offizielle) Dietz Verlag, der Verlag Tribüne (EDGB) und der Deutsche Militärverlag (Eigentum der Volksarmee) zum 70. Geburtstag Walter Ulbrichts am 30. Juni einen Schaufensterwettbewerb für Buchhandlungen. In den Wettbewerbsbestimmungen heißt es:

"Aufgabe: Es ist ein agitatorisch wirksames und gegenwartsnahes Fenster mit den Werken von und über Walter Ulbricht sowie mit Titeln zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung zu schaffen, wobei das ‚Programm der SED‘ nicht fehlen darf."

Um aber auf das Plakat zurückzukommen, so sei an eine Anekdote aus der Stalin-Ära erinnert. Zum 100. Todestag des russischen Dichters Puschkin im Jahre 1937 forderte der Sowjetische Künstler-Verband alle Bildhauer der Sowjetunion auf, Entwürfe für ein Puschkin-Denkmal einzureichen. Es gingen tausende von Projekten ein: Puschkin am Arbeitstisch, Puschkin beim Taubenfüttern, Puschkin denkend, Puschkin schreibend, Puschkin mit Kindern, Puschkin von vorn, Puschkin im Profil.

Den ersten Preis erhielt ein Denkmal, das einen fünf Meter hohen Stalin zeigte, der in der linken Hand einen kleinen Buchband hielt, auf dem zu lesen stand: "Puschkins Werke".