So paradox es auch klingt – der Vorstand der Harpener Bergbau AG, Dortmund, versicherte in der Pressekonferenz zum Jahresabschluß 1962, er sei dividendenfreudig! Die Aktionäre dieser großen Bergwerksgesellschaft werden vermutlich nicht ganz dieser Meinung sein; sie haben so ihre Erfahrungen..., und die sind, was die Harpen-Dividende anbelangt, durchaus nicht so übertrieben günstig. Die Dividendenfreudigkeit dieses Unternehmens dürfte also mehr ein platonisches Bekenntnis sein, daß in die Tat umzusetzen allerdings auch – das muß gerechterweise anerkannt werden – einigermaßen schwierig wäre. Nachdem den Aktionären im Vorjahr die nicht gerade üppige Verzinsung von 5 % geboten worden war – wozu bereits die Rücklagen in Anspruch genommen werden mußten –, bleibt diesmal garnichts für eine Gewinnausschüttung übrig. Die Harpener Bergbau AG schließt im Geschäftsjahr 1962 ohne Gewinn, allerdings auch ohne Verlust ab. Die Harpen-Aktionäre müssen sich wohl oder übel darauf besinnen, daß sie das Verzichten schon früher gelernt haben: auch die Geschäftsjahre 1958 und 1959 blieben hier ohne Dividende. Daß dafür indessen nicht der französische Großaktionär – der, wie in Dortmund erneut versichert wird, an einer Ausschüttung genauso interessiert sei wie die freien Aktionäre – verantwortlich zeichnet, ist für die letzteren nur ein schwacher Trost. Tatsächlich bleibt nämlich der betonte gute Wille der Dortmunder Zechengesellschaft "mangels Masse" auf der Strecke.

Als Kohlen- und vor allem Kokszeche "reinsten Wassers" ist die Harpener Bergbau AG auf Gedeih und Verderb mit dem Schicksal des Kohlenbergbaus verbunden. Nicht nur die Marktverluste der festen Brennstoffe müssen verkraftet werden – auch der daraus resultierende Anpassungsprozeß fordert seinen Tribut. Zur Anpassung der Förderung und Kokserzeugung an die Absatzlage wurden im Herbst 1962 die Zeche Oespel stillgelegt und die Förderung der Zeche Dorstfeld eingeschränkt. Auch der Betrieb der Brikettfabrik Oespel ist zusammen mit der Zechenstillegung eingestellt worden. Die Kapazität der Kokerei Dorstfeld wurde bis zum Ende des Berichtsjahres bereits um zwei Drittel vermindert; sie ist im laufenden Geschäftsjahr ganz außer Betrieb genommen worden.

Die Kohlenförderung ist damit im vergangenen Jahr um 4,2 % auf 6,15 Mill. t zurückgegangen, die Kokserzeugung um 16,2 % auf 2,27 Mill. t und die Brikettherstellung um 34,3 % auf 63 119 t. Ganz erheblich wurde auch die Erzeugung an Kohlenwertstoffen eingeschränkt. Zweifellos haben sich im Zuge der durchgeführten Konzentrationsmaßnahmen – die eine Verlagerung der Förderung auf die ertragsstärkeren Anlagen in der Ostgruppe der Harpenzechen zum Ziele haben – bereits greifbare Rationalisierungserfolge ergeben. Die Leistung stieg 1962 weiter auf 2464 kg (2282) je Mann und Schicht unter Tage.

Die Ertragsrechnung der Gesellschaft ist jedoch erheblich strapaziert worden. Erhöhte Abschreibungen und Anlagenverluste, die aus den Anpassungs- und Konzentrationsmaßnahmen resultieren, mußten gedeckt werden. Abschreibungen sind auf 40,6 (34,7) Mill. DM angestiegen; und Verluste aus Anlagenabgängen haben sich mit dem ansehnlichen Betrag von 11,6 Mill. DM niedergeschlagen. Zum Ausgleich konnten einerseits erhöhte Beteiligungserträge – sie werden mit 3,52 nach 0,43 Mill. DM ausgewiesen – und Erträge aus der Auflösung nicht mehr benötigter Rückstellungen in Höhe von 4,71 (0,13) Mill. DM herangezogen werden. Aber das weitaus größere Loch ist mit einem Buchgewinn von 9,48 Mill. DM gestopft worden, der – höchst willkommen – aus dem teilweisen Verkauf der Harpen-Beteiligung an dem Treuhandvermögen des Benzin-Benzol-Verbandes resultiert. Der Harpen-Anteil hat sich von nominell 4 Mill. DM auf 0,6 Mill. DM ermäßigt. Ohne diesen Buchgewinn sähe allerdings die Rechnung der Harpener Bergbau AG diesmal erheblich anders aus. Jedoch erklärte das Vorstandsmitglied Josef Fischer in der Pressekonferenz, daß die Veräußerung der BV-Beteiligung-Erwerber sich die GBAG und die Scholven Chemie – keineswegs zum Ausgleich der Ertragsrechnung vorgenommen worden sei, sondern lediglich deshalb, weil sich die traditionelle Funktion des BV als Absatzorgan der Kokereien gewandelt habe. Wie dem auch sei, daß diese Transaktion eine höchst willkommene Spritze für den ausgeglichenen Jahresabschluß war, ist nicht von der Hand zu weisen. Eine Heranziehung der Rücklagen – wie im Vorjahr – wäre wohl kaum nochmals in Frage gekommen, da Harpen damit keineswegs üppig gesegnet ist. Ohnehin habe das Unternehmen noch, wie in Dortmund erklärt wurde, auf Sonderabschreibungen in Höhe von 11 Mill. DM verzichten müssen; man hoffe jedoch, diese in einem anderen Jahre nachholen zu können.

Mit der Umsatzentwicklung – von 430 auf 436 Mill. DM – schneidet Harpen im Berichtsjahr vergleichsweise gut ab. Vornehmlich der Kohlenabsatz, der von 118 auf 141 Mill. DM ausgeweitet wurde, hat die Steigerung bewirkt. Wiederum waren die in Sidéchar zusammengefaßten elf französischen Hüttenwerke, die über 75 % des Harpen-Kapitals verfügen, eine handfeste Stütze für den Absatz der Dortmunder Gesellschaft. Von dem gesamten Kohlen-Fremdabsatz der Harpenzechen gingen im Berichtsjahr 45 (52) % nach Frankreich, das waren 2,41 (2,73) Mill. t. Auf Kohlen entfielen davon 0,62 (0,74) und 1,39 (1,55) Mill. t auf Koks. Diese Mengen entsprechen jeweils 26 (37) % des Kohlen-Fremd- und 60 (63) % des Koks-Fremdabsatzes der Harpener Zechen. In Dortmund wird auch weiterhin mit stetigen Bezügen der Sidéchar gerechnet. Die Lieferverträge für Kohlen waren im vergangenen Jahr zwar abgelaufen, sind aber wieder erneuert worden. Um die Fortsetzung der Koksverträge, die im März dieses Jahres ausgelaufen waren, wird zur Zeit noch verhandelt. Aber der Großaktionär denke jedenfalls nicht daran – so wird erklärt –, seine Harpen-Beteiligung abzustoßen.

Das Jahr 1963 hat sich für die Dortmunder Zechengesellschaft um einiges besser angelassen, als es erwartet worden war. Der harte und lange Winter hat die Kohlenhalden, die bei Harpen am Ende des Berichtsjahres noch über 1 Mill. t ausmachten, um mehr als die Hälfte reduziert. Das macht sich entsprechend in der Kasse bemerkbar: die Umsätze sind in den ersten Monaten dieses Jahres im Durchschnitt auf 43,5 nach 36,3 Mill. DM monatlich heraufgegangen. Nmn