Von Petra Kipphoff

Am 23. April 1864, dem Tag der 300. Wiederkehr von William Shakespeares Geburtstag, wurde in Weimar die Deutsche Shakespeare Gesellschaft gegründet, unter dem Patronat Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin Sophie von Sachsen. Am 23. April 1963 gab es keine regierenden Herzöge von Sachsen mehr. Seit diesem Tage hat die Shakespeare-Gesellschaft zwei Präsidenten. Man weiß gut, wie das weitergeht: Jeder wird von dem anderen behaupten, es gebe ihn nicht.

Als bei Kriegsende Deutschland in verschiedene Teile zerlegt wurde, war der damalige Präsident, Professor Dr. Saladin Schmitt, in Bochum ansässig.

Nachdem sich dazu herausstellte, daß die weitaus größere Anzahl der Mitglieder im Westen wohnte, beschloß die 1947 .einberufene außerordentliche Hauptversammlung, "für die Zeit der jetzigen Zonentrennung" eine Hauptgeschäftsstelle in Bochum einzurichten.

In Bochum wurden, seit 1948, die (für die Shakespeare-Forschung sehr wichtigen) Jahrbücher der Gesellschaft herausgegeben, ein Theater-Archiv angelegt, eine Bibliothek eingerichtet. Dort fanden seit 1946 dreizehn Jahreshauptversammlungen statt (in Weimar hingegen zwar 1948 und 1954 Shakespeare-Tage, jedoch keine Jahreshauptversammlung).

Die folgenden Präsidenten kamen aus Westdeutschland: Nach dem Tode Saladin Schmitts übernahm Rudolf Alexander Schröder 1951 das Amt; als dessen Nachfolger wiederum wurde 1962 der frühere Kultusminister von Nordrhein-Westfalen, Werner Schütz, gewählt.

Die Shakespeare Gesellschaft war also in jeder Hinsicht, wissenschaftlich wie wirtschaftlich, eine vorwiegend westdeutsche Angelegenheit geworden. Zweimal wurde der Versuch gemacht, eine Jahreshauptversammlung in Weimar stattfinden zu lassen: 1948 scheiterte er an nicht bewilligten Interzonenpässen, 1958 daran, daß das Ministerium für Kultur in Ostberlin die Tagungserlaubnis von einer Satzungsänderung abhängig machte.