Überraschung auf dem Fährschiff

Der junge Herr Hamlet auf Schloß Kronborg zu Helsingör hatte uns jeden Gedanken, zu Mittag zu essen vertrieben. Wir wollten, nach dem Schloßbesuch auf der Europastraße E 4 zum Picknick auf dem Fährschiff Rödbyhavn–Puttgarden eilen; die Straße ist schnell, wir freuten uns schon. Nach hundert Minuten fuhr der Wagen in das Innere der "Deutschland" hinein. Wir eilten hungrig ins Restaurant, und voller Erwartung, eingedenk der gastronomischen Künste des gewaltigen kalten Büfetts für 6,05 Mark bei der Anfahrt nach Dänemark mit der "Theodor Heuss". Aber die Regale des großen schwimmenden Picknickortes waren diesmal leer. Sie blieben auch leer als die "Deutschland" in See stach, zur kurzen Überfahrt nach Deutschland. Die Herren Ober standen in Pulks herum, keine Anstalten wurden gemacht, das Picknick zu eröffnen. War während unserer Abwesenheit in Hamletschen Gefilden eine Hungersnot in der Bundesrepublik ausgebrochen? Die Speise rationiert, wenn auch nur übungsweise? Was hatte man hier im Sinn, wo man doch nichts anderes im Sinn haben konnte, als die Fahrgäste zu befriedigen?

Die Smörbrotstunde fiel aus. Der große Anreiz der Fähren der Vogelfluglinie war dispensiert. Wir riefen den Kellner. Er kam, mit unglücklichem Gesicht, er ahnte den Tadel an der Gastronomie des Gastronomen aus Puttgarden. Zu wenig Fahrgäste, erfuhr man, an diesem Sonntagnachmittag, das Picknick müsse deshalb ausfallen, es lohne sich nicht, "erstellt" zu werden, wie man so sagt.

Der Ober brachte die Speisekarte: Vier Posten, die sich jedes kleine Restaurant zwischen Dahme und Travemünde allein aufzuführen scheuen würde.

Man mußte sich begnügen, aber die große Eßlust war dahin.

Wanderer auf der Vogelfluglinie, der du hungrig zu den Schiffen kommst, vertraue auf eine größere Zahl Fahrgäste. Ohne sie wirst du nicht picknicken wollen, wie es die Prospekte verheißen, weil du es nicht darfst. Der Gastronom findet kein Vergnügen an der geringen Zahl. Es lohnt nicht. So wollen wir eine Legende begraben: daß auf den Fährschiffen zwischen Rödbyhavn und Puttgarden die gewaltige Smörbrottafel für zwei Taler immer bereitet sei. Die Gastlichkeit der Schiffe ist, in unserer Zeit, eben auch abhängig von der Dichte des Verkehrs.

Fahren wir demnächst wieder von Deutschland auf der "Deutschland" nach Dänemark, so wollen wir auf eine Menge Leute vertrauen, die mit uns reisen.