Rund 12,3 Millionen DM kostete die neue Personen- und Autofähre "Gedser" des norwegischen Reeders Moltzau. Mit diesem zweckmäßigen Neubau erhalten die Deutsche Bundesbahn und die Dänische Staatsbahn wenige Wochen nach der festlichen Eröffnung der kostspieligen Vogelfluglinie eine neue, harte Konkurrenz. Viele Reisende werden sich gern, wie in den Jahren zuvor, mehr als drei Stunden von Travemünde nach Gedser über die Ostsee schaukeln lassen. Wer mag sich schon mit den 50 Minuten zwischen Puttgarden und Rödbyhavn für das kalte Büfett begnügen?

Doch im Sommer machen sie alle ihr Geschäft, Bahn und Fährschiffsreeder. Dagegen fürchtet die Bundesbahn im Herbst und Winter einen harten Kampf um jedes Kilo Ladung und jede Achse. Nun könnte Konkurrenz für den Verbraucher günstig sein, doch da gibt es einige Haken.

  • Der deutsche Steuerzahler hat ein paar hundert Millionen DM für die Vogelfluglinie aufgewendet,
  • Der deutsche Steuerzahler hat rund 75 Prozent der Baukosten von etwa 12,3 Millionen Mark für das unter dänischer Flagge fahrende Schiff eines norwegischen Reeders aufgebracht.
  • Der deutsche Steuerzahler trägt das Defizit der deutschen Bundesbahn.

So finanziert der deutsche Steuerzahler einen initiativreichen norwegischen Reeder; den Unternehmer eines Landes und einer Wirtschaftsgruppe, die ehrlich davon überzeugt ist, daß die Zukunft der Schiffahrt in der Freiheit der Meere und im Konkurrenzkampf nicht subventionierter Handelsflotten zu suchen ist.

Der norwegische Reeder wiederum hilft mit seinem Auftrag und seinem Eigengeld einer deutschen Werft – der Lübecker LMG (Orenstein Koppel und Lübecker Maschinenbau AG.), die – welch Wunder! – das niedrigste Angebot abgeben konnten.

Die Dänische Staatsbahn hat dem norwegischen Reeder nur ungern die Genehmigung zum Anlaufen des bahneigenen Hafens Gedser gegeben, aber sie hatte ein schlechtes Gewissen, da Gedser seine Hauptverbindung verloren und man Ersatz versprochen hatte.

Nun fragte ein Aufsichtsratsmitglied der LMG-Werft, warum denn kein deutscher Reeder solch Schiff gebaut und solchen Verkehr begonnen habe? Die Antwort: Die Dänische Staatsbahn hätte einem deutschen Reeder niemals die Genehmigung gegeben.

Übrigens hat der norwegische Reeder bereits den Entschluß zum Bau eines Schwesterschiffes gefaßt. Nicht stimmberechtigter Teilhaber ist wieder – der deutsche Steuerzahler. C. B.