Von Ingrid Neumann

Wir sind über die Struktur unseres Unternehmens sehr glücklich", erklärte der Vorstandsvorsitzer der Mannesmann AG, Dr. Egon Overbeck, in der diesjährigen Pressekonferenz zum Jahresabschluß 1962. Mannesmann sei aus der Weiterverarbeitung gekommen, in die Grundstoffindustrie gegangen, um dann wieder den Konzern nach der Weiterverarbeitungsseite hin abzurunden. Es bestehe, so betonte der Vorstandschef des weltweiten Unternehmens, ein ausgewogenes Verhältnis von Montanproduktion und Weiterverarbeitung, das zu ändern im Grunde kein Anlaß vorliege.

Mannesmann sei sogar auch in der glücklichen Lage, einen guten Bergbau – mit günstigen Vorkommen und einem breiten Sortenfächer – zu besitzen. Allerdings wird die Verwaltung in ihrem Bestreben, "alle Teile des Konzerns stets modern und wettbewerbsfähig zu halten", zwangsläufig die Weiterverarbeitungsseite forcieren, weil dort – wie AR-Vorsitzer Dr. Wilhelm Zangen ergänzend bemerkte – mit dem eingesetzten Kapital der größere Effekt zu erzielen sei. Von den gesamten in der Bilanz der Kerngesellschaft ausgewiesenen Anlagen in Höhe von rund 1,5 Mrd. DM entfallen nach den Auskünften der Verwaltung gegenwärtig rund zwei Drittel auf den Bergbau, die eisenschaffende Industrie und die Röhrenproduktion; rechnet man aber – wie es eigentlich korrekter wäre – die Röhrenwerke bereits mit zur Weiterverarbeitung, dann ist die Bedeutung der eigentlichen Montanproduktion im Konzernfächer schon jetzt erheblich geringer.

Die Mannesmann-Verwaltung hat in der Tat allen Grund, mit der Struktur des Unternehmens zufrieden zu sein. Gerade im abgeladenen Geschäftsjahr hat sich die Vielseitigkeit des Unternehmens erneut als Stärke erwiesen. Dabei spieltnicht nur derbreite Produktionsfächer der Gruppe eine Rolle, sondern auch die weltweite Verflechtung der Gesellschaft, die durch den nach dem Zweiten Weltkrieg vorgenommenen zielstrebigen Auf- und Ausbau ausländischer Tochtergesellschaften erreicht worden ist. Die Auslandstöchter der Mannesmann AG haben gerade im abgelaufenen Geschäftsjahr die Aktivität des Gesamtkonzerns schon ganz ansehnlich mitbestimmt. Die fünfprozentige Steigerung des Fremdumsatzes der Mannesmann AG mit allen in- und ausländischen Tochtergesellschaften – auf 3,774 Milliarden DM – ist für das Jahr 1962 eine stolze Entwicklung; darin sind die nichtdeutschen Mannesmann-Töchter mit einem um 48,7 % auf 319 Mill. DM gestiegenen Fremdumsatz enthalten. Im Konsolidierungsbereich ist die Zuwachsrate erheb ich geringer – der Fremdumsatz der in die Konzernbilanz einbezogenen inländischen Gesellschaften betrug 3,260 (3,225) Mrd. DM –, aber auch hier war es möglich, die Auswirkungen des nachhaltigen Stahltiefs in anderen Sparten wieder auszugleichen.

Ein kräftiges Umsatzplus verzeichneten vor allem Kohle, Erz und sonstige Rohstoffe, die ihren Fremdumsatz auf 359 (317) Mill. DM erhöhten, während die Eisenseite des Konzerns mit einem Fremdumsatz von 511 (532) Mill. DM unter dem Vorjahrsniveau blieb. Auch Rohre und Rohrerzeugnisse erreichten mit 1,006 (1,049) Mrd. DM nicht ganz den Umsatz des Jahres 1961. Die Werke der sonstigen Weiterverarbeitung haben 626 (646) Mill. DM zum Konzernumsatz beigesteuert. Ihr Anteil am gesamten Fremdumsatz der Produktionsgesellschaften hat sich damit im Berichtsjahr leicht auf 24,6 (25,1) % verringert; der Anteil der Röhrenwerke ermäßigte sich auf 39,6 (40,7) %. Zusammengenommen kommen diese beiden – nichtmontanen – Produktionszweige des Düsseldorfer Konzerns auf einen Umsatzanteil von 64,2 (65,8) % eine Zahl, die zwar durchaus noch nichts aussagt über ihre Bedeutung für die Ertragsrechnung der Gesellschaft, die aber dem Konzern ein interessantes Gegengewicht für die reinen Grundstoffinteressen bescheinigt.

Die Umsatzsteigerung – so erwähnt die Mannesmann-Verwaltung in ihrem Geschäftsbericht – ist ausschließlich auf eine überdurchschnittliche Ausweitung des Exportgeschäftes zurückzuführen. Der Exportanteil am konsolidierten Fremdumsatz ist auf 30,5 (27,1) % angestiegen, das entspricht einer Ausfuhr von 995 Mill. DM; auf den ganzen im Inland tätigen Konzern bezogen geht der Export erstmalig über 1 Mrd. DM hinaus. Am Gesamtexport der Bundesrepublik war Mannesmann 1962 mit 1,88 (1,72) % beteiligt.

Aber die erfolgreiche Ausweitung – und Behauptung – des Geschäftsvolumens ist erst die halbe Wahrheit über das Geschäftsjahr 1962. Daß auch die Mannesmann-Gruppe von der allgemein spürbaren Tendenz zu kleineren Erträgen nicht verschont geblieben ist, läßt sich deutlich ablesen. Die Gesamtsituation – so heißt es im Geschäftsbericht – sei gekennzeichnet "durch immer schärfer werdenden Wettbewerb auf allen Märkten, durch sinkende Erlöse bei steigenden Kosten, insbesondere Löhnen und Gehältern, und durch Schwierigkeiten, die sich aus politischen Entscheidungen ergeben".