LÜBECK (Bühnen der Hansestadt):

"Der brave Soldat Schwejk" von Robert Kurka

Zum Opernhelden erkoren wurde Haseks defaitistischer Querulant von dem Amerikaner Robert Kurka. Der Komponist, tschechischer Abstammung, ist nur 36 Jahre alt geworden, 1957 gestorben. Drei Jahre später wurde sein Stück an der Komischen Oper in Ostberlin erstmals deutsch aufgeführt. Damals war Jean Soubeyran Leiter der Pantomimengruppe an Felsensteins Institut. Er trug Wesentliches jetzt zur westdeutschen Erstaufführung in Lübeck bei. Auch deren Regisseur, Kurt Horres, hat früher an der Komischen Oper gearbeitet. Auf das letzte Bild, "An der Front", setzte er einen Akzent, als ob es sich um die Bürger von Calais handele. Im ganzen vermag nach Brechts Aktualisierung des Stoffes der Rückgriff auf das im Ersten Weltkrieg spielende Original nicht mehr recht zu überzeugen. Der Komponist vermochte das satirische Thema nicht in einer eigenständigen Musik neu zu formen. Er beschränkte sich hauptsächlich auf Illustrationseffekte. Mit dem schon im Ansatz ungeschickten Instrumentarium von 16 Bläsern (ohne Streicher) gelingt vereinzelt atmosphärische Verdichtung. Aber sie löst sich schnell wieder in einer ausgelaugten Tonalität auf. Der einzigen Rolle neben 25 Chargen, dem Schwejk, wird ab und zu ein gefühlvolles Liedchen gegönnt. Die solistische Diktion der Opernsänger, die leider auch sprechen müssen, erinnert an die musikalische Konversation von Arabellas Freiern bei Richard Strauß. Bemerkenswert, obwohl ein wenig angestrengt, war die Aufführung. Jürgen Dreier brachte die 23 Bilder geschickt auf der Drehbühne unter. Der Kapellmeister Martin Mälzer war auf Präzision bedacht. Der Darsteller des Schwejk (Erich zur Eck blieb, so behend er auch agieren mochte, ein Tenor.

HAMBURG (Thalia-Theater):

"Nur keine Blumen" von Norman Barash und Carroll Moore

Zwei amerikanische Funk- und Fernsehautoren lieferten Theaterkonfektion für die sechste deutsche Erstaufführung des Thalia-Theaters in dieser Saison. Hans Paetsch spielte mit Charme, wenn auch manchmal etwas selbstgefällig, den Hypochonder, der das Motiv des "Eingebildeten Kranken" mit modernisierten Medizin- und Psychologievokabeln variiert. Eleonore Schroth bot als seine Frau die reizendste Leistung des Abends, der von Johannes Schaaf als typensicheres Sommertheater inszeniert worden war. Stärker als die überwiegenden Lustspieleffekte des halben Dutzends deutscher Premieren prägten sich – neben der "Nacht des Leguan" – "Sechs Personen suchen einen Autor" ein. An dem Pirandello-Stück, das von dem Münchner Gast Margret Carl und von Heinz Klevenow getragen wurde, war vor kurzem Werner Kraut eine seiner sorgfältigsten Regieleistungen gelungen. Jac

MÜNCHEN (Residenztheater):