Von Joachim Joesten

Der sechste Welt-Erdöl-Kongreß findet zum erstenmal Unterkunft in Deutschland. Frankfurt wird für einige Tage das Mekka der Ölspezialisten aus aller Herren Länder. Gegen 7000 Fachleute – vorwiegend natürlich mit technischen Interessen – treffen sich an dieser Mammuttagung, tauschen ihre Erfahrungen aus und diskutieren in einer großen Zahl von Arbeitsgruppen. Für das Wirtschaftliche ist, nach dem Tagungsprogramm zu schließen, wenig Raum. Es wird wahrscheinlich mehr in den Wandelhallen, in kleinen spontan gebildeten Kreisen zur Sprache kommen. Unsere beiden Beiträge beleuchten in großen Zügen die, Probleme des "westlichen" und "östlichen" Öls und zeigen, daß man in diesem Bereich der Weltwirtschaft bald zu einer "einheitlichen" Linie durchfinden muß.

Den Welttag der Ölleute in Frankfurt am Main haben eine ganze Reihe von Regierungen in der Weise "gewürdigt", daß sie der Ölindustrie ihres Landes neue Daumenschrauben ansetzten.

Die Regierung von Ceylon zum Beispiel gab am 5. Juni bekannt, daß der gesamte Vertrieb von Ölprodukten im Lande ab Januar 1964 der staatlichen Ceylon Petroleum Corporation übertragen werde. Damit hat der neue Minister für Handel und Industrie, Maithripala Senanayake, der erst wenige Tage vorher dieses Amt übernommen hatte, durch einseitige Verfügung durchgesetzt, was auf dem Verhandlungswege nicht zu erreichen war.

Ein solches Vorgehen ist unter den jungen Nationalstaaten Afrikas und Asiens schon seit einiger Zeit Mode geworden. Das krasseste Vorbild dafür hatte seinerzeit der inzwischen ermordete Diktator des Irak, General Kassem, geliefert. Nachdem die dort arbeitende (englischfranzösisch-amerikanische) Iraq Petroleum Company sich in monatelangen Verhandlungen beharrlich geweigert hatte, einen Teil ihrer verbrieften Konzessionsrechte freiwillig aus der Hand zu geben, nahm ihr die Regierung in Bagdad am 11. Dezember 1961 durch einen Federstrich Kassems neun Zehntel ihres bisherigen ’Konzessionsgebietes ab.

Das Beispiel Kassems hat noch nach seinem Tod in der Welt Schule gemacht (obschon einiger Grund für die Vermutung besteht, daß sich der General gerade durch sein forsches Vorgehen gegen die I.P.C. sein Grab geschaufelt hat).

Im Falle Ceylons liegen die Dinge gewiß anders, da es dort nur eine verhältnismäßig unbedeutende Ölproduktion gibt. Was die Regierung in Colombo jetzt getan hat, war, den westlichen Ölgesellschaften (vor allem Esso, Shell und Caltex) das von ihnen aufgebaute. Vertriebsnetz kurzerhand wegzunehmen.