ge, Bremen

Wenn es um die Gründung einer Universität geht, so scheint der Wahlspruch der Bremer Kaufleute "Wagen un winnen" nicht zu gelten. Die Hansestadt hält sich an das Wort, das an einem Stadttor eingemeißelt steht: "Bremen wes ghedächtig" – Bremen sei bedächtig.

Denn trotz der mit Euphorie begrüßten Beschlüsse der Saarbrückener Ministerpräsidentenkonferenz, in denen sich die Länderchefs grundsätzlich dazu bekannt hatten, die vom Wissenschaftsrat geforderten neuen Hochschulen aus eigener Kraft gemeinsam zu finanzieren, sah sich die von finanziellen Sorgen geplagte bremische Bürgerschaft einen Tag danach außerstande, auch nur den von allen Seiten gewünschten formellen Gründungsbeschluß für den Aufbau einer Universität zu fassen. Statt dessen wurde einstimmig eine Entschließung verabschiedet, in der sich das Parlament ähnlich wie schon vor zwei Jahren rein platonisch für die Verwirklichung dieser für die gesamte Bundesrepublik wichtigen Aufgabe aussprach.

Während dies alles geschah, meinten die Parlaments-Beobachter feststellen zu können, daß die Abgeordneten des Universitätsprojekts etwas müde geworden waren: Eine ganze Reihe von Volksvertretern widmeten sich während der Hochschuldebatte intensiv dem Studium der Zeitungen. Etwa zur gleichen Zeit erklärte der Hamburger Senator Kramer der Presse, die Saarbrückener Beschlüsse seien eine "ermunternde Aufforderung" an Bremen, endlich den Gründungsbeschluß zu fassen.

Von einer solchen ermunternden Wirkung freilich war in der Bürgerschaft nichts zu spüren. Kein Wunder, daß die Debatte nicht in erster Linie um das "geistige Abenteuer" der Hochschulgründung kreiste; finanzielle Überlegungen beherrschen das Feld. Nur einmal gab es bei diesem Punkt in der Bürgerschaft spontanen, ein gewisses Engagement verratenden Beifall, dann nämlich, als die in Opposition stehende CDU ihren Antrag zurückzog, unabhängig vom weiteren Gang der Dinge zunächst einmal den guten Willen zu beweisen und formell die Gründung der Universität zu beschließen – allerdings in der Wirkung bis Ende 1964 befristet.

Die Bedenken des Bremer Senats und der parlamentarischen Mehrheit gegen einen solchen Beschluß sind in den vergangenen Monaten mehr oder minder offen ausgesprochen worden: Sie wollen der Hansestadt mögliche Prestigeeinbußen für den Fall ersparen, daß es im Endeffekt doch nicht zur Hochschulgründung kommen sollte. Fest steht, daß es mit der Bremer Hochschule noch viele Monate, vielleicht sogar noch einige Jahre dauern wird, denn die Weserhanseaten halten in diesem Punkt nichts von Wagemut, aber sehr viel von haushälterischer Bedächtigkeit.