Heinrich Böll: "Ansichten eines Clowns"

Was die ZEIT-Leser während der letzten vier Nummern in diesem Blatt beobachten konnten, gilt für die deutsche Kritik ganz allgemein: Sie wird durch Bölls Buch schlicht in zwei Lager geteilt. Die Grenze ist leicht zu ziehen; gar nicht leicht ist es zu klären, warum man nun den einen Kritiker in diesem, den anderen in jenem Lager findet, zu analysieren, was als der geistige Hauptnenner der Bewunderung und Anerkennung auf der einen Seite, des Mißfallens und Unbehagens. auf der anderen gelten darf. Wir haben unseren Lesern hiermit alles Material an die Hand gegeben, diese Entscheidung jeder für sich zu treffen. Jetzt kann nur noch die Lektüre des Romans helfen ...

PAUL HÜBNER in der RHEINISCHEN POST (DÜSSELDORF) am 11. Mai 1963:

Es ist nichts zu versäumen bei Bölls Bonner Clown... Der Roman liegt weit unter Bölls Rang. Aber im trotzigen Einbuddeln in ein miefiges, nicht mehr existierendes Milieu, beim Schielen nach draußen, beim Schielen nach dem Beifall derer, für die hüben und drüben alles mies und noch mieser im deutschen Westen sein muß ... muß diese Linie entstehen ... Man darf nach diesem Ausrutschen in die bis zum Erbrechen mit katholischen Ausdrücken ... iberschwemmte Gosse der Banalitäten getrost auf den wahren dichterischen Böll warten ...

D. K. ALBERT in der RHEIN-NECKARZEITUNG (HEIDELBERG) am 7. Mai 1963:

Die aufgeschlossene Handlung, die einfache, bildkräftige Sprache, der lebendige Witz und die ohne alle Kunstmittel eines inneren Monologs wirklich erzählte Darstellung der "Ansichten" erheben dieses Werk Bölls weit über seinen "Billard"-Roman zu einem ausgezeichneten Werk moderner Erzählkunst...

DER SPIEGEL (HAMBURG) am 15. Mai 1963: