Allen Schlankheitsaposteln zum Trotz naschen immer mehr Bundesbürger größere Mengen Süßigkeiten. Kein Wunder, daß die deutsche Schokoladenindustrie trotz erheblicher Konkurrenz davon profitiert. Die Umsätze der Branche stiegen 1962 wertmäßig um 6,4 Prozent, der Menge nach sogar noch stärker, und zwar um 7,4 Prozent.

Erfolgreicher als der "Durchschnitt" war die Sarotti AG, Hattersheim (Main), deren Grundkapital von 22,5 Mill. DM zu gut drei Viertel in Händen der Schweizer. Nestle-Gruppe ist. Der Mengenabsatz dieses größten publizitätspflichtigen Schokoladenherstellers in der Bundesrepublik schnellte um gut 19% in die Höhe. Der Wertumsatz wuchs auch beträchtlich, um fast 11%, auf 143 Mill. DM. Er hinkte aber hinter dem Mengenzuwachs her. Warum? Weil Sarotti 1962 ein "echtes Opfer gebracht hat", wie es der Vorstand nennt. Bei gleichbleibender Qualität waren die Preise der Tafeln von 1,30 auf 1,10 DM gesenkt worden, um "die Qualitätserzeugnisse des Massenkonsums unter bewußtem Verzicht auf günstigere Gewinnspannen im Interesse der Konsumenten zu verbilligen".

Diese Preispolitik ist lobenswert. Nicht nur weil sie selbstlos klingt (wie Unternehmer gar nicht zu sein brauchen) und dem Konsumenten zugutekommt, sondern weil die – ebenfalls zu Lasten der Handelsspanne – reduzierten Preise auch dem Unternehmen zugute kamen. Denn die Ermäßigungen hatten erhöhte Käufe zur Folge, die "auch unsere Erwartungen übertrafen". "Die Elastizität der Nachfrage in bezug auf den Preis" wie es in der Theorie umständlich heißt, war außergewöhnlich groß. Man braucht als Konsument also kein schlechtes Gewissen zu bekommen, daß der mit 8,1 (9,9) Mill. DM geringer ausgewiesene Gewinn auf die Preisermäßigung zurückzuführen ist, denn die Menge "brachte es ja wieder rein". Das "Minus" ist eher durch das Fehlen der 2,5 Mill. verursacht, die 1961 gewinnerhöhend aus der Auflösung von Rückstellungen stammten sowie den erhöhten Personalkosten für unverändert 3940 Beschäftigte.

Nicht nur die Verbraucher, Vorstand und Mitarbeiter, sondern auch die Aktionäre können sehr zufrieden sein. Sie erhalten brutto eine Dividende von 21% (16% und die darauf zu entrichtende Kapitalertragsteuer). Zusätzlich gibt es bei der geplanten Kapitalerhöhung aus dem Gewinn ein Bezugsrecht von 9:1. W. W.