Die Abwicklung – fachmännisch Liquidation genannt – der früheren IG Farbenindustrie ist immter noch nicht beendet. Nachdem auf Grund der Weisungen der Alliierten nach Kriegsende aus dem im Westen gelegenen Vermögen des ehemaligen Trust lebensfähige Industrieunternehmen abgespalten wurden, geht es heute noch darum, die im Mantel der IG-Farben verbliebene Restmasse endgültig zu liquidieren. Als Auflage wurde seinerzeit bestimmt, daß aus dem Erlös den drei großen Farbennachfolgern BASF, Bayer und Hoechst zusammen eine Kapitalausstattung bis zu 135 Mill. DM gezahlt wird. Bleibt dann noch etwas übrig – die Alliierten haben damit nicht gerechnet – sollen die alten IG-Aktionäre, die heutigen Inhaber von sogenannten Liqui-Anteilen, den Rest erhalten.

Wie groß wird die Restmasse sein? Immerhin sind bis Ende 1962 bereits 125 Mill. DM an die drei Farbennachfolger ausgeschüttet worden. Wie man dem Bericht der Liquidatoren für 1962 entnehmen kann, besteht zunächst die begründete Hoffnung, daß bis Ende dieses Jahres die restlichen 10 Mill. an die Farbennachfolger gezahlt werden können. Was darüber hinaus übrig bleibt, läßt die Bilanz noch nicht erkennen. Denn dem Vermögen von 104 Mill. stehen als Hauptposten Rückstellungen in fast gleicher Höhe gegenüber. Diese sind zwar so gewählt, daß sie jedes erkennbare Risiko decken, wie es heißt. Aber inwieweit sie später nicht voll beansprucht werden, vermag heute noch kein Außenstehender zu sagen. W. R.