Eine Woche nach dem Treffen der schlesischen Landsmannschaften in Köln kamen die Ostpreußen im benachbarten Düsseldorf zusammen. Der Bundeskanzler war eingeladen, hatte zugesagt – und dann kurzfristig wieder abgesagt.

Aber Konrad Adenauer schickte ein Gruß-Telegramm. Und darin hieß es: "Meine Absage hat nichts mit der berechtigten Erregung zu tun, die wegen einer zweifelhaften Fernsehsendung entstanden ist."

Wir wollen nicht fragen, ob der Bundeskanzler zum Fernsehkritiker berufen ist, und wir wollen auch die Frage unterdrücken, ob er die "zweifelhafte" Sendung überhaupt gesehen hat.

Was aber meinte Konrad Adenauer mit "berechtigter Erregung"? Als er bei den Schlesiern auf der Ehrentribüne saß und gelassen Autogramme austeilte, wurde zu seinen Füßen der Fernsehreporter Neven-du Mont von einer aufgepeitschten Menge attackiert und fast gelyncht.

Will Adenauer nicht in den Ruf geraten, ihm komme es allein auf Wählerstimmen an, dann muß er, der scheidende Kanzler, unmißverständlich erklären, daß eine Politik der Fäuste in diesem Land nie und nimmer "berechtigt" sein darf.

H. G.