Diesmal will Ben Gurion für immer gehen

Der Anlaß überraschte nicht, wohl aber die Bestimmtheit, mit der die Entscheidung gefällt wurde: Endgültig hat David Ben Gurion, Israels "großer alter Mann", sein Amt als Ministerpräsident zur Verfügung gestellt. In der Klausur der Wüstensiedlung Sdeh Boker, wo er einst als einfacher Schafhirte lebte, will der 76jährige nun über die Zukunft seines bedrohten Landes nachsinnen.

Schon oft in den letzten fünfzehn Jahren seiner Amtszeit als Regierungschef hatte er sich in die Abgeschiedenheit dieses Dorfes zurückgezogen – einmal aus Trotz, weil ihm seine Parteifreunde oder Koalitionspartner das Leben schwer machten, zu anderen Malen aus Zorn über politische "Affären", die ihm sein Amt verleideten, oder über den Unmut im Parlament bei den Waffengeschäften mit Bonn. Viermal schon hatte Ben Gurion seine Demission eingereicht; vor zehn Jahren war er einmal sogar – wenn auch nur für kurze Zeit – tatsächlich zurückgetreten. Diesmal jedoch ist sein Entschluß wohl unabänderlich.

Ben Gurion habe es satt, so erklärte einer seiner Berater diesen Rücktritt ohne Widerruf, sich mit einer Koalition weiter herumzuschlagen. In der Tat ist es dem Premierminister nie gelungen, seiner Mapai-Partei in der Knesset zur absoluten Mehrheit zu verhelfen; stets war er auf die Hilfe radikaler Gruppen von Links und Rechts angewiesen. Das war sein großes Handicap, und er ist es leid geworden. Gerade auch seine deutschfreundliche, der Zusammenarbeit mit Bundesrepublik geneigten Haltung ist ihm in den Koalitionshändeln immer wieder angekreidet worden. Auch jetzt wieder warfen ihm seine Kritiker vor, daß israelische Soldaten in Westdeutschland ausgebildet werden.

Ben Gurion war seinem Lande keineswegs bloß ein freundlich-gütiger Vater, allein darauf bedacht, auszugleichen, dem politischen Streit auszuweichen. Er regierte mit starkem Arm und mied "faule Kompromisse". Weil er sie auch jetzt scheute, ist er gegangen – ein Politiker großen staatsmännischen Zuschnitts. D. St.