Von Ingrid Neumann

Einen freundlichen Farbtupfer in das recht eintönige Grau der diesjährigen Bilanzsaison gibt der Bericht der Rudolph Karstadt AG, Hamburg/Essen. Der große Warenhauskonzern hat. durchaus keinen Grund, miteinzustimmen in die in der Industrie allgemein üblich gewordenen Molltöne: Bei Karstadt ist kein Raum für Pessimismus. Ganz im Gegenteil: die Erfolgskurve des Unternehmens steigt weiter an. Karstadt segelt weiter unter der Flagge der Expansion. Vor allem aber gehört Karstadt zu den wenigen großen Aktiengesellschaften, die das Geschäftsjahr 1962 gegenüber seinem Vorgänger auf der ganzen Linie als noch besseres Jahr verbuchen können. Die nüchterne Feststellung des soeben veröffentlichten Geschäftsberichtes, wonach "das Geschäftserträgnis befriedigend" war, ist eine so offensichtliche Untertreibung, die allerdings auch in einer Pressekonferenz mündlich ergänzt wurde. Daß Karstadt die Ziffern des Vorjahres nochmals überrundet hat, gab Vorstandsmitglied Max Hoseit offen zu, und die Daten des glänzenden Jahresabschlusses belegen es.

Die Aktionäre des Warenhauskonzerns nehmen an diesem besonders guten Jahr auch mit einer guten Dividende teil. Sie erhalten zwar unverändert 18 %; aber das ist erstens eine ansehnliche Verzinsung, die zu überspringen mit Recht bei den Unternehmen, die es könnten, weitgehend eine gewisse Scheu besteht. Zweitens aber schüttet Karstadt die 18 % erstmals auf das erhöhte Kapital von 180 Millionen DM aus. Für das Unternehmen bedeutet das, daß der für die Dividende erforderliche Betrag um 3,6 auf 32,4 Mill. DM gestiegen ist, wobei allerdings auch anzumerken ist, daß die Essener Verwaltung diesen Betrag sozusagen mit dem einen Finger erübrigt. Aus den auf 85,7 (74,4) Mill. DM angewachsenen Steuern vom Einkommen, Ertrag und Vermögen läßt sich zwar nicht genau ermitteln, was im Berichtsjahr verdient worden ist, aber fest steht jedenfalls, daß der ausgeschüttete Gewinn nur einen Teilbetrag des versteuerten Jahresergebnisses ausmacht.

Nach groben Schätzungen dürfte die Dividende etwa die Hälfte des Gewinns betragen. Offen ausgewiesen wird eine Dotierung der freien Rücklage mit 20 (10) Mill. DM. Weitere 4 Millionen sind nach Angaben der Verwaltung auf Sonderabschreibungen beim Anlagevermögen verwandt worden. Stille Reserven sind hauptsächlich – so war in der Pressekonferenz zu hören – durch eine besonders vorsichtige Bewertung der Vorräte entstanden. Die innere Stärkung ist also – sowohl sichtbar als auch unsichtbar – fortgesetzt worden. Die Verwaltung hat darüber hinaus auch noch eine begrüßenswerte "Flurbereinigung" in der Bilanz orgenommen. Entsprechend den Äußerungen in früheren Jahren, wonach die Rückstellungen weitgehend Rücklagencharakter haben, hat Karstadt jetzt namhafte Beträge umgebucht. 22 Mill. DM sind der Gegenposten für eine aus einer Betriebsprüfung resultierenden Steuerschuld, und weitere 20 Mill. DM Rückstellungen, die versteuert waren, sind in Rücklagen umgewandelt worden. Damit sind zwar die sonstigen Rückstellungen auf 3,7 (40,9) Mill. DM zusammengeschrumpft, aber wie Vorstandsmitglied Hoseit betonte, steht diesem Betrag keine feste Zahlungsverpflichtung gegenüber. Das Ricklagenkonto ist dafür auf 180 Mill. DM (100) angewachsen. Über ein so stattliches Polster, das die gleiche Höhe wie das Grundkapital hat, verfügen nicht sehr viele Aktiengesellschaften in der Bundesrepublik. –

Mit einer 11,5prozentigen Umsatzsteigerung haben die Karstadt-Häuser wiederum die Zuwachsrate des gesamten westdeutschen Einzelhandels nicht unerheblich überflügelt. Um 11,7 % nahm der Umsatz der Tochtergesellschaft Kepa Kaufhaus GmbH zu. Bei Kepa betrug der Umsatz im Berichtsjahr 362,6 (324,5) Mill. DM, bei Karstadt allein 1,902 (1,706) Mrd. DM. Die darin enthaltenen Preiserhöhungen betragen nach dem Karstadt-Index 2 %. Der Konzernumsatz stellte sich im Berichtsjahr auf 2,28 (2,05) Mrd. DM. Nach einer leichten Verschiebung im Sortiment waren im vergangenen Jahr am Einzelhandelsumsatz bei Karstadt Textilwaren mit 51,19 (52,63), Möbel und Hausrat mit 30,14 (29,54) und Lebensmittel mit 18,67 (17,83) % beteiligt; überdurchschnittliche Zuwachsraten entfallen danach vor allem auf Möbel und Hausrat sowie auf Lebensmittel.

Zwei markante Kennziffern der Karstadt-Gruppe sind wiederum herauszustellen; sie sind nicht unwesentlich an dem Geschäftserfolg dieses Warenhauskonzerns beteiligt. Die Umsätze je Quadratmeter Verkaufsfläche erhöhten sich 1962 nochmals von 6000 auf 6300 DM. Der Umsatz je Kopf der Beschäftigten ist auf 50 800 (46 100) DM angestiegen. Auch das laufende Geschäftsjahr wird von der Karstadt-Verwaltung mit Zuversicht beurteilt. In den Monaten Januar bis April ist trotz der Beeinträchtigung des Geschäfts durch die langanhaltende Kälte ein Umsatzplus von 6 % zu verzeichnen.

Die nach Hamburg einberufene HV soll u. a. auch über eine Änderung des Firmennamens in Karstadt AG beschließen. Die Konzernverwaltung will nunmehr alle Häuser einheitlich unter "Karstadt" firmieren lassen; bisher führen noch rund ein Drittel der Kaufhäuser den Namen Althoff. Diese Maßnahme wird vor allem mit den besseren Möglichkeiten einer einheitlichen Werbung begründet.