1963 — dies ist das Jahr, in dem der amei kanische Neger seine Geduld verlor, gerade Jahre, nachdem die Gleichberechtigung der Negj, eines der Ziele des blutigen amerikanischen Bi t_ gerkriegs gewesen war j In Jackson, der Hauptstadt des Staates Mf sissippi, wurde am 12. Juni der Negerführt sich der Negerstudent Dave McGlafhery oh| Schwierigkeiten in der Außenstelle Huntsvil der Staatsuniversität von Alabama immatrikulit ren lassen., , , Am Abend vor dem Mord in Jackson hat Präsident Kennedy über alle Fernsehgesellschaji ten der USA an das amerikanische Volk appelliei Am 14. Juni 1963 versammelten sich Tausenl von Anhängern der Rassengleichheit in Washim ton im Lafayette Park gegenüber dem Weißi; Haus und marschierten zum Justizministeriui;; Neger in den Südstaaten wird, kündigte an, da>. es zu einem "Marsch auf Washington" kommi werde, wenn nicht schnelle und tief greif enij Schritte für die Neger erzielt würden [ Washington hat einen weiten Weg vor sich. Dl neue Bürgerrechtsgesetz der Regierung soll in diiser Woche dem Kongreß zugeleitet werden. Sei Schicksal in beiden Häusern ist ungewiß. Zumi im Senat haben die Gegner einer Aufhebung de Rassenschranken die gefährliche Waffe des "Mf Reden jede ernsthafte Debatte und die normal Abstimmung über den Gesetzesentwurf verhii dern oder doch hinauszögern. Der Senat kau) nur mit Zweidrittelmehrheit diese Marathon, reden abbrechen. 67 von den 100 Stimmen it. Senat wären also erforderlich, um auch nur ein normale Behandlung des Entwurfs der Regierun zu gewährleisten. Kennedys Partei, die demq kratische, hat im Senat 45 Repräsentanten, di nicht aus den Südstaaten stammen. Selbst wen man annähme, daß sie alle für das Gesetz stimm ten, was unwahrscheinlich ist, brauchte die Regie rung noch immer 22 der 33 republikanische Senatoren, um die erforderliche Zahl von 67 a erreichen.

Diese Arithmetik hatte der erfahrene Paria mentarier John Kennedy im Auge, als er zwej einhalb Jahre zögerte, ein Gesetz vorzuschlageij das den farbigen Amerikaner in den Genuß allef Rechte eines amerikanischen Bürgers bringe! könnte. Der Präsident dachte außerdem an seirJ anderen problematischen und unglücklichen Voi Schläge im Kongreß und wollte es nicht riskij , ren, die "Konservative Koalition" — das Bund = nis zwischen Republikanern und konservative Demokraten — gegen sein gesamtes Geseti gebungswerk aufzubringen. Unter dem Druck d Ereignisse von Oxford bis Birmingham und Jack son hat er all diese Bedenken zurückgestellt. Daf mit wird für ihn die Zusammenarbeit mit deri Kongreß noch schwieriger.

Aber selbst, wenn die Bürgerrechte für di Neger durch entsprechende gesetzgeberische Fort) schritte und faire Anwendung der neuen Gesetz! durch die Gerichte erreicht werden sollten, bleitj die Hauptsache immer noch zu tun. Die Vereinigt ten Staaten haben mit erheblichen wirtschaf(j liehen Problemen zu ringen Überall, wo Schade] fühlbar werden, drücken sie besonders hart au! die Negerbevölkerung. Das gilt zunächst für di Arbeitslosigkeit: Etwa jeder zehnte farbige Ama rikaner ist zur Zeit ohne Arbeitsplatz; von deji Weißen ist nur jeder zwanzigste ohne Arbeit Die, Lebenserwartung des schwarzen "US Bürgeij liegt sieben Jahre unter der des weißen. Dij Neger haben es ungleich schwerer, eine angemes sene Wohnung zu finden. Das schwerste Handij cap aber ist die schlechtere Ausbildung. Deshalf richtet sich der Druck vor allem auf die Eingangs; pforten der Schulen und Hochschulen j Die besten wirtschaftlichen und sozialen Er rungenschaften vermögen indes nicht di psychologische Barriere zwischen Schwarz unc Weiß zu beseitigen. Eine vorbehaltlose Vert mischung der Rassen, wie sie zum Beispiel il Brasilien ganz selbstverständlich ist, wird if den USA voraussichtlich niemals gelingen. Da| angelsächsische Grundelement, die puritanisch! Moral, die geschichtliche Entwicklung sind unj überwindliche Hindernisse. Es kommt ein Fakt tor hinzu, über den man in Amerika besonder! ungern spricht: der sexuelle Minderwertigkeit. komplex des weißen Amerikaners und der wei ßen Amerikanerin gegenüber dem schwarze!. Amerikaner und der schwarzen Amerikanerin Diese Ressentiments und dazu die soziale ökonomische und politische Diskriminierun| beschränken sich durchaus nicht auf die Süd( Staaten. Gerade von Seiten einiger Negerführej: kommt die Besorgnis, daß es im Norden künf| tig zu weit härteren Zusammenstößen kommeij könnte. Die Ursachen sind vielfältig. Der Nege| genießt in Städten wie New York oder Chikagi durchaus größere Rechte als in Birminghanl oder sogar Atlanta. Kaufhäuser und Restauj rants, Schulen und Krankenhäuser stehen ihri. offen. Aber die wirtschaftlichen und die psychoj logischen Benachteiligungen wirken sich i Norden härter aus. Die Neger im Norden sin> zumeist aus dem Süden herauf gewandert; sie sin der aktivere Teil der ehemaligen Sklaven j Kein Drama ist ganz ohne Komik. Auf deit schönen Namen Robert Muckel hört ein Amerii kaner, der dem bitteren Rassenstreit unbeabj sichtigt ein Schmunzeln aufsetzte. Mr. Muckei ließ sich in Alabama als Student in ein landf wirtschaftliches College eintragen. Als er hinj kam, stellte er zu seiner peinlichen Ober] raschung fest, daß es auf dieser Hochschule aus! schließlich farbige Akademiker gab. Die Neger] hochschule akzeptierte freudig diese neue Art von Integration, was auch ihre gute Pflicht ist! denn sonst könnten ihr wegen Diskriminier rang die staatlichen Geldmittel entzogen werden. Integration ist keine Einbahnstraße: Sie führt nicht nur von Schwarz zu Weiß, sondern auch von Weiß zu Schwarz Thilo Koch :