FRANKFURT (Frankfurter Kunstkabinett): "Wauer"

In Berlin konnte man nach dem Kriege regelmäßig Ausstellungen von William Wauer sehen, zu seinem 80., 85., 90. und 95. Geburtstag. 1962, in seinem 96. Jahr, ist der Senior der deutschen Künstler gestorben. Ein unglaublich vielseitiger und schaffensfroher Mann, der seit 1900 an allen künstlerischen Bewegungen teilnahm, Anregungen aufnahm und weitergab. 1924 übernahm er den Vorsitz der "Internationalen Vereinigung der Expressionisten, Kubisten, Futuristen und Konstruktivsten", die sich später "Die Abstrakten" nannten, und er ist das alles selber gewesen. Außerdem arbeitete er als Theaterregisseur bei Reinhardt, als Theaterleiter, Theaterkritiker, Filmregisseur, Reklamefachmannn und Rundfunkexperte. Frau Bekker vom Rath zeigt – bis zum 6. Juli – eine kleine Auswahl von Skulpturen, Gemälden und Aquarellen, dahinter die Silberbronze eines "Schlittschuhläufers" von 1916 und das maßvoll abstrahierte Wahrzeichen "Berliner Bär" von 1955, als letztes Werk ein Selbstbildnis von 1961, lapidarer Expressionismus vor dem Ersten Weltkrieg.

HAMBURG (Kunsthalle): "Italienische Zeichnungen"

In einem über viele Jahre hingehenden Ausstellungszyklus gibt Dr. Wolf Stubbe in der Hamburger Kunsthalle eine Übersicht über die europäische Zeichenkunst. Zuerst Deutschland und Frankreich, dann (im Herbst 1961) "Holländische Zeichnungen der Rembrandt-Zeit". Jetzt "Italienische Meisterzeichnungen vom 14. bis zum 18. Jahrhundert’’. Sie kommen aus einer einzigen amerikanischen Privatsammlung, der Sammlung Janos Scholz, die damit zum erstenmal in Europa gezeigt wird (nur ein kleiner Teil, die Venezianischen Meister, war vor Jahren in der Fondazione Cini in Venedig ausgestellt). Janos Scholz, gebürtiger Ungar, Sohn eines musischen K. u. K.-Generals, ist kein Stahlmagnat, sondern Musiker, Cellist und Meister der Viola da Gamba, der auf seinen Konzerttourneen durch glückliche Funde seine Sammlung aufgebaut und systematisch, nach Schulen und italienischen Kunstprovinzen, ausgebaut hat. Schon die Tatsache, daß ein Privatmann mit nicht unbeschränkten Mitteln so etwas heute, bzw. in den letzten 30 Jahren, zustande gebracht hat, wird die Enthusiasten, die selber in bescheidenem Umfang alte Zeichnungen sammeln, freuen und ermutigen. Namen wie Pisanello, Gentile Bellini, Benozzo Gozzoli, Carpaccio, Raffael (mit einer Vorstudie für die Befreiung Petri im Vatikan), Correggio bis zu den Meistern des 18. Jahrhunderts Tiepolo, Guardi, Canaletto geben eine Vorstellung von der Qualität der Sammlung. Die Blätter der weniger Berühmten sind oft noch interessanter, weil sie Zwischenstadien, Seitenwege der Entwicklung sichtbar machen, vor allem aber die immer wieder bestürzende und rätselhafte Kombination aus landschaftlicher Herkunft, dem künstlerischen Klima von Mailand oder Venedig oder der Toscana, aus der stilbildenden Zeitsituation und dem persönlichen Genie gerade dieses einen Zeichners, der Pietro Vecchia oder Francesco Fontebasso oder Federigo Zuccaro oder Guercino heißt. Die Ausstellung dauert bis zum 18. August, sie kommt später noch nach Köln. g. s.