Baden an der Kieler Förde und ein Abstecher nach Oslo

Von Manfred Sack

Alle Leute in dieser Gegend, so schien es, waren verreist. Das Auto trottelte faul über die Straßen; kein anderes überholte, keines kam entgegen. Links und rechts eine üppige, hügelige Bauernlandschaft, die dem Auge als Überraschungen nur solches bot: auf einer saftigen Wiese ein sterbendes Biedermeiersofa mit rosa Blümchenbezug; später ein Schimmel und ein Rappe; in einer flachen Furche eines Rübenackers ein nackter Mensch, der sich schlafend sonnte. Dann kam der Rosensee, und da wurde die Kielerin im Auto hellwach und rief, alle Lügen strafend, für die Schleswig-Holstein nichts als ein elend flaches, fleißiges, armes Land ist: "Kinder, ist das herrlich hier – und Gott sei Dank weiß das keiner. Laßt sie nach Plön fahren, was sie alle kennen, laßt uns diese Gegend behalten."

Und diese Gegend ist, wo man sie am wenigsten vermutet: nicht einmal dreißig Autominuten östlich von Kiel und der Förde. Es wimmelt von Hügeln und Wäldern und immer wieder Seen, Teichen und Wegen, und wer zu mäßigen Preisen in Drillers Gasthof an der breiten Schwentine bei Preetz, in einer "masurischen" Landschaft, Selbstgebackenes gegessen hat, bekommt Lust, auf alle Reiseattraktionen fürderhin zu verzichten.

Von da ist es nur ein Sprung an die Förde, die in der letzten Juniwoche Kiels berühmteste Exklave ist: Vom 23. bis 30. Juni findet hier wieder die Kieler Woche statt. Wer die Rennen und Regatten verpaßt oder wer als ein in Seesachen ungeübter Binnenländer einfach mehr wissen will, sei auf einen Vorzug dieser Gegend verwiesen: Man kann noch mit den Leuten reden, die da wohnen. Sie haben Zeit zu antworten.

Lektion am Kutter

Der Hafenmeister von Strande, gerade dabei, einer Bielefelder Blondinen den Wortschatz eines segelnden Seemannes zu enthüllen, hob leicht die Schultern auf die Frage, ob jedermann hier so mitteilsam wäre. "Warum sollten wir nicht?" sagte er. "Wer sich gut benimmt und Lust hat, bitte schön." Bitte schön, er führt ihn sogar in seine Bootswerft und verrät dem Ahnungslosen, was zum Beispiel ein Drachenboot sei oder ein Boot der Starklasse und warum die beim schrägen Segeln so selten umkippen.