Von je zu je, zumal aber in dieser Stande künstlerischer Wirrnis und Unruhe, wird die Frage laut, ob denn Kunst zu lehren und was an ihr lehrbar ist.

Der Zweifel, der in dieser Frage mitklingt, wird durch die naheliegende Überlegung genährt, daß gewiß gerade das nicht lehrbar sei, worauf es schließlich einzig und allein ankomme: die künstlerische Begabung. Sie aber sei ein Geschenk des Himmels, ohne die alles Lehren der Kunst vergeblich bleibe, mit der aber es keine große Bedeutung mehr habe, ja zu einem Hemmnis werden könne.

Solchen Einwänden steht nicht nur die erhebliche Anzahl von Kunstlehr-Instituten jeder Art und Größe entgegen, die es seit eh und je in allen Kulturländern gibt, sondern auch die tausendfach erwiesene Tatsache, daß ein sinnvoll gelenktes Kunststudium viel, sehr viel vermag, daß manche auch starke Begabung ohne Lehren der Erweckung und Wegweisung nicht zu rechter Erfüllung gekommen oder gar unerkannt geblieben wäre ...

Eine Kunstepoche wird zu einem Teil bestimmt durch die Idee von Wesen, Sinngehalt und Zielsetzung der Kunst, wie sie jeweils, mehr oder minder bewußt, im schaffenden Künstler lebendig wirksam ist.

Zu einem anderen Teil aber wird sie bestimmt durch die künstlerische Überlieferung. Denn nur dadurch, daß das Vermögen, Kunstwerke zu schaffen, von der vorausgehenden, der Generation der Meister, an die nachwachsende Generation der Schüler überliefert wird, nur dadurch kann künstlerische Kultur fortleben und sich weiter entwickeln.

Diese Überlieferung aber geschieht im Wesentlichen durch die Kunstlehre, sie ist deren eigentlicher Gehalt. Wie nun diese Lehre geibt wird, wie ihre theoretischen Grundlagen geariet, ihre jeweiligen Methoden entwickelt sind – alles das ist ein entscheidender Faktor für Wesen und Weg der Kunst wie auch umgekehrt: Kunstschaffen und Kunstlehre stehen in eher steten, einander bedingenden Wechselwirkung. Es ist freilich nicht zu verwundern, daß gerade heute der Sinn dafür verloren ging, welch hohe Bedeutung dem einmal zugekommen ist, was künstlerische Überlieferung und was künstlerische Lehre sind.

In diesem Zusammenhang sei auf die Kunst Ostasiens gewiesen. Ihr Weg, ihre Entwicklung, das betont Konservative, Dogmatische im Fortleben ihrer verschiedenen Stile und Schulen durch viele Jahrhunderte hin, ist für alle Elemente des Kunstschaffens, für Motiv, Medium und Technik durch die Art ihrer Kunstlehre genau festgelegt.