Von Walther Weber

Auf zwei Beinen steht man besser als auf einem." Einmal, weil man dann weniger leicht aus dem Gleichgewicht kommt, zum anderen, weil bei langem Stehen das Schwergewicht abwechselnd auf das eine oder auf das andere, das sogenannte Standbein, verlagert werden kann.

Nicht nur Menschen, auch "im Markt stehende Unternehmen" haben es mit zwei Beinen leichter. Die Wintershall Aktiengesellschaft Celle, Verwaltung in Kassel, die in einigen Tagen, am 27. Juni, ihre Hauptversammlung abhält, ist ein gutes Beispiel dafür.

Im Jahr 1921 als Kali-Industrie AG, Berlin-Kassel gegründet, 1929 in Wintershall umbenannt, stand sie zunächst nur auf einem Bein, dem Kaligeschäft. Erst in den dreißiger Jahren, als die Gesellschaft an die Straffung ihres bis zu 50 Unternehmen zählenden Konzerns heranging, legte sie sich ein zweites, wenn; auch zunächst sehr schwaches Bein zu, das bis heute jedoch kräftig gewachsen ist: das Geschäft mit dem Erdöl.

"Kali und Erdöl halten heute einander die Waage. Mal stützt das eine Bein stärker, mal das andere", versicherte Dr. Möhle vom Vorstand. Seit 1948 hatten die Investitionen im Ölbereich des Konzerns (Gewinnung und Verarbeitung) das Übergewicht. Während rund 300 Millionen DM im Kalisektor "angelegt" wurden, waren es beim Öl etwa 500 Millionen. Entscheidend waren hierfür die Gewinnerwartungen und die Tatsache, daß der Kalibergbau älter ist und weniger Neuinvestitionen erfordert.

Haben sich die Hoffnungen im Ölgeschäft bei Wintershall erfüllt? – Ganz offensichtlich, läßt doch der Jahresbericht keinen Zweifel daran, daß der in unveränderter Höhe ausgewiesene Reingewinn stärker als bisher dem Ölbereich zu verdanken ist. "Die Gesamtertragslage unseres Unternehmens ermöglichte es, nicht zuletzt dank der guten Beschäftigung der Mineralölbetriebe, wiederum eine Dividende von 14 % auszuschütten", stellt der Vorstand in seinem Bericht fest. Von der allgemein zu beobachtenden Schmälerung der Gewinnspannen wurde "besonders der Kalibereich betroffen", während bei der allgemeinen Bedarfssteigerung an Mineralölprodukten diese Entwicklung "langsamer vor sich ging".

Wie langsam oder wie schnell sich die Gewinnspannen in den einzelnen Sparten eingeengt haben, bleibt verborgen. Die Wintershall-Bilanz zeigt wohl, wie es sich für ein Unternehmen gehört, das nicht nur selbst produziert, sondern zugleich als Holding tätig ist, die Erträge der Organgesellschaften (14,9 nach 14,6 Mill. DM) sowie der Beteiligungen (4,6 nach 4,5) und die Aufwendungen aus Verlustübernahmeverträgen (0,6 nach 1,1 Mill. DM). Die Erträge sind aber nicht – wie etwa bei der Preußag – nach Arbeitsbereichen aufgegliedert. Den Außenstehenden sind deshalb trotz aller Publizitätsbereitschaft des Vorstandes genaue Einblicke in die Gewinnquellen versagt, zumal eine Konzernbilanz nicht veröffentlicht wird, die die Wintershall-Gruppe überschaubarer machen würde. (Das will der Vorstand erst tun, wenn die Aktienrechtsreform es verlangt.)