Die Bürger von Le Bourget am Stadtrand von Paris haben unruhige Tage hinter sich: Das Donnern überdimensionaler Düsentriebwerke und das an Windmühlen gemahnende schwappende Rauschen der Hubschrauber begleiteten zehn Tage lang die größte internationale Luftfahrtausstellung und ließen den Lärm des üblichen Linienflugverkehrs als ein sanftes Windsäuseln erscheinen.

In dem lautstarken Konzert, bei dem die Amerikaner, Engländer und Franzosen den Ton angaben, spielten die Deutschen nur bescheidene Instrumente: Ein Einmann-Hubschrauber aus der Kiste und Kurzstartflugzeuge von Dornier, Sport- und Reiseflugzeuge von Bölkow, ein "fliegender Kran" oder die deutsche Beteiligung (Hamburger Flugzeugbau und Weserflug) an dem Militärtransporter "Transall".

Vor Beginn der Ausstellung hatte die "Financial Times noch geschrieben: "Bekannte Namen der deutschen Luftfahrtindustrie – Dornier, Focke-Wulf, Heinkel, Messerschmitt – sind in großem Stile wieder im Geschäft und zeigen, daß sie trotz der verlorenen Jahre nichts von ihrem alten Können, Flugzeuge zu entwerfen, verloren haben." Und es gehörte wenig Phrophetie dazu hinzuzufügen: "Diese drohende Konkurrenz ... wird für die anderen Länder ... Anlaß genug sein, auf der Ausstellung größere Anstrengungen denn je bevor zu machen."

Sie machten große Anstrengungen, die anderen Länder, denn der legendäre Ruf der deutschen Luftfahrtindustrie aus früherer Zeit ließ sie das Schlimmste befürchten, besonders nachdem die Bundesregierung eine Unterstützung aus Staatsmitteln angekündigt hatte. Doch schließlich hieß es in Le Bourget: "... und die Deutschen sind die besten Modellbauer."

Da standen auf dem deutschen Stand schön lackierte und polierte Flugzeugmodelle wie in einem Spiel warenladen. Und die meisten von ihnen werden in einem oder zwei Jahren nur noch in den Museen der Entwurfsabteilungen zu finden sein. Sagte nicht jedes Unternehmen bisher, seine Projekte seien "auf Lücke" konstruiert, auf Lücken im Weltmarkt für Flugzeuge? So viele Marktlücken kann es doch kaum geben, wie die Deutschen füllen wollen.

Die bunte Vielfalt von Modellen, die sich teilweise recht ähnlich sahen, ließ wieder die Frage auftauchen: Ist es eigentlich sinnvoll, daß acht deutsche Zwerge einzeln den Kampf gegen die angelsächsischen und französischen Riesen aufnehmen? Warum nicht zwei "deutsche Riesen" statt der acht Zwerge?

Das Wort von den "besten Modellbauern" war allerdings nicht nur Ironie, es drückte auch Hochachtung vor deutschen Ideen aus, die in die Zukunft weisen: Werden wir nicht in spätestens zehn Jahren Verkehrsflugzeuge benötigen, die senkrecht starten und landen können? Besteht nicht in den Entwicklungsländern ein Bedarf an robusten Transportflugzeugen, die auf Dschungelflugplätzen und Wiesen landen können? Solche Projekte – wie sie in Le Bourget gezeigt wurden – könnten der deutschen Luftfahrtindustrie eine rosigere Zukunft bescheren. H. M.