Der alte Knigge, der einst allein seinen "Knigge" schrieb, hat heute viele Nachfahren, die sich energisch des allgemeinen Benimms annehmen. Zu ihnen gehört auch der Allgemeine-Deutsche-Tanzlehrer-Verband, genauer: sein Fachausschuß für Umgangsformen. Dieser Ausschuß statuierte jetzt nach eingehenden Beratungen: Das Rauchen von Pfeifen bei geselligen und gesellschaftlichen Anlässen ist von nun an erlaubt. Das bislang streng Verpönte wird jetzt der Gesundheit geopfert, denn das Pfeiferauchen sei, so heißt es, weniger gesundheitsschädlich als der Rauch von Zigaretten.

Allerdings, so kommentiert der Fachausschuß seine Deklaration peinlich genau, die Pfeife müsse klein sein, sie müsse trocken sein, der Tabak dürfe nicht penetrant riechen, er müsse in einem handlichen Beutelchen aufbewahrt sein, in unmittelbarer Nähe von Damen sei es überhaupt zu vermeiden, und die Dame des Hauses müsse gefragt werden. Und weiter: Es zeuge von schlechter Kinderstube, wenn man bei hochoffiziellen. Anlässen, als da sind Hochzeiten, Bälle und Staatsempfänge die Pfeife aus der Tasche des Smokings ziehe. Man müsse sich dann schon an andere Orte begeben, wie auf die Wandelgänge. Vielleicht erinnert sich dann aber auch jemand, an welche Orte er alsSchüler zu pilgern pflegte...

K.