Der Spätheimkehrer des Otto-Wolff-Konzerns, die Stahlwerke Bochum AG, Bochum, hat seinem Großaktionär bisher nicht allzuviel. Freude gemacht. Von der steilen, aber kurzen Erfolgskurve des Bochumer Edelstahlunternehmens, die vor zwei Jahren mit einem Dividendensprung von 8 auf 12 % so verheißungsvoll begonnen hatte, war bereits vor Jahresfrist nicht mehr viel übrig geblieben. Nun hat sich im vergangenen Geschäftsjahr die Talfahrt der Bochumer Stahlwerke noch weiter beschleunigt. Konnte das Unternehmen noch für 1961 – wenn auch knapp – die zwölfprozentige Dividende aufrechterhalten, so ist jetzt die Kürzung auf 10 % das Äußerste, was Stahl Bochum zu geben in der Lage ist. Dabei wirkt sich hierbei die Unterkapitalisierung – das Grundkapital beträgt nur 24,2 Mill. DM – noch besonders günstig aus.

Das im Mehrheitsbesitz der Otto-Wolff-Gruppe stehende Unternehmen hat mit seinem bedeutenden Flachstahlanteil insbesondere die Erlösflaute am Flachstahlmarkt zu spüren bekommen. Der Umsatz ist erneut um 11,2 % auf 306 Mill. DM zurückgegangen; er liegt damit sogar noch leicht unter dem Niveau des Jahres 1959. In einsamer Höhe ragt das Boomjahr 1960 mit einem Umsatz von 385 Mill. DM aus dem Trend des Unternehmens heraus. Die Bochumer Verwaltung glaubt selbst nicht mehr daran, daß sich eine solche Entwicklung in absehbarer Zeit noch einmal realisieren läßt. Das Überangebot auf dem Flachstahlmarkt, das nicht nur aus neuen Kapazitäten in der Bundesrepublik stammt, sondem auch auf die verstärkt auftretende Konkurrenz anderer Stahlerzeugungsländer zurückzuführen ist, hat bei der Verwaltung der Stahlwerke Bochum zu sichtbaren Konsequenzen geführt. Die umfangreichen Investitionspläne eine Stabstahlstraße und ein Hammerwerk –, die vor zwei Jahren unter dem Eindruck der Expansion gefaßt worden waren, sind nicht mehr gefragt. Was den Ausbau der Anlagen anbelangt, so wird in Bochum sogar auffallend kurz getreten. Im Berichtsjahr blieben die Investitionen mit 10,5 Mill. DM unter den Abschreibungen, und mindestens auch noch im neuen Geschäftsjahr wird "Zurückhaltung geübt werden", heißt es im Geschäftsbericht der Verwaltung.

In der rückläufigen Umsatzentwicklung des vergangenen Geschäftsjahres kommen sowohl der starke Preisverfall als auch verringerte Absatzchancen zum Ausdruck. Beide Faktoren, die unzureichenden Erlöse – vor allem das Exportgeschäft, so betonte Vorstandsmitglied Wilhelm Hochheuser in der Pressekonferenz, sei nur noch mit Verlustpreisen zu bestreiten – und auch die Unterbeschäftigung der Betriebsanlagen habe ihre Spuren in der Ertragsrechnung hinterlassen. Eine gravierende Ertragsminderung läßt sich vor allem auf dem Steuerkonto ablesen. Die Ertragssteuern sind auf 3,9 nach 6,4 Mill. DM zurückgegangen; daran ist der Körperschaftsaufwand, wie in der Pressekonferenz zu hören war, mit weniger als 50 % beteiligt. Der Stoßseufzer der Verwaltung, daß beim besten Willen nicht mehr als 10 % für die Ausschüttung "übrig" waren, ist einleuchtend.

nmn