Nach dem gescheiterten ersten Versuch vom 14. Februar, einen stationären Nachrichten Satelliten vom Typ "Syncom" über dem Atlantik zu fixieren, plant die NASA jetzt einen zweiten. "Syncom II" (von synchronous communications satellite) unterscheidet sich wie sein mißglückter Vorgänger von "Telstar" und "Relay" dadurch, daß er über der Erde still steht. Seine Umlaufzeit entspricht nämlich genau der Erddrehung. Er soll dazu in eine Höhe von rund 35 800 Kilometer befördert werden – 180mal höher als die amerikanischen Astronauten geflogen sind.

In dieser Höhe kann ein Satellit mehr als ein Drittel der Erdoberfläche "übersehen". Drei Syncom-Satelliten, gleichmäßig über der Erde verteilt, würden also ausreichen, um jeden Ort mit jedem anderen in ständiger Telephon- oder Fernsehverbindung zu halten. Bei den bisherigen Nachrichten-Satelliten stört es, daß sie für die Sende- und Empfangsstationen jeweils nur periodisch verwendbar sind, solange nämlich, wie sie sich auf ihrer Bahn um die Erde in direkter Sicht dieser Stationen befinden.

Um das Problem der ständigen Verfügbarkeit von Nachrichten-Satelliten zu lösen, hatte die Bell-Telephon-Company schon vor einigen Jahren vorgeschlagen, ein Geschwader von 50 Relais-Satelliten in relativ geringer Höhe ständig über der Erde kreisen zu lassen. Wäre dann ein Satellit außer Reichweite zweier Stationen gekommen, so wäre schon der nächste aufgetaucht, hätte seinen Vorläufer abgelöst und die Vermittlung übernommen. Die Entwicklung der Syncom-Modelle hat diesen Plan offenbar überholt, denn es ist ungleich einfacher, drei Satelliten statt 50 auf präzise Bahnen zu bringen, und überdies hätte das Bell-Projekt viel mehr gekostet.

Der von der Hughes Aircraft Company gebaute Syncom-Satellit hat bestechende technische Eigenschaften:

  • Ein Kreiselsystem stabilisiert ihn im Raum, so daß er nicht um seine eigenen Achsen schwanken kann. Damit erübrigt sich eine stete Stabilitätskontrolle durch Gasdüsen, die nur zur Not durch Funksignale betätigt werden, wenn der Satellit von seiner Position abweichen sollte.
  • Syncom II soll nur 35 Kilogramm wiegen und kann daher von einer verhältnismäßig schubschwachen Trägerrakete (wie etwa die Delta) auf seine Bahnhöhe gebracht werden.
  • Ein über dem Atlantik stehender Syncom-Satellit kann vier Kontinente verbinden: Nord- und Südamerika, Europa und Afrika.
  • Die Bodenstationen benötigen keine teuren und komplizierten Richtantennen, die entsprechend dem Lauf des Satelliten geschwenkt werden müßten (wie bei Telstar und Relay). Da Syncom still steht, genügen feste Richtantennen.
  • Der Syncom-Satellit steht so hoch über der Erde, daß er innerhalb von 24 Stunden nur für etwa 14 Minuten im Erdschatten verweilt. Die "Kalte Periode" ist also denkbar kurz, und es brauchen keine besonderen Temperatur-Kontrollsysteme eingebaut zu werden, was eine wesentliche Gewichtsersparnis bedeutet. Praktisch kann Syncom das Sonnenlicht ununterbrochen als Kraftquelle ausnutzen.
  • Da der Satellit in fast 36 000 km Höhe auch oberhalb des gefährlichen Van-Allen-Strahlenbandes steht, erübrigen sich Strahlenschutz-Vorrichtungen für seine elektronische Ausrüstung (die in der Mikro-Elektronik verwendeten Kristalle sind sehr empfindlich gegen energiereiche Strahlung).

Wie der kurz nach dem Start verstummte Syncom I wird auch Syncom II nur experimentelle Aufgaben haben. Spätere Modelle sollen dann über eine Kapazität von 1200 Telephon- oder vier Fernsehkanälen verfügen, so daß die erstrebten globalen Nachrichtenverbindungen via Weltraum verwirklicht und die Überseekabel weiter entlastet werden können. Theo Löbsack