"Nein, einen solchen Weg wollen wir nicht einschlagen. Wir glauben, daß der Sport in den bestehenden Wisssenszweigen an den Universitäten erforscht werden kann. So hat zum Beispiel Dr. Bannister vor einiger Zeit sehr interessante Untersuchungen in Aden am Roten Meer über Hitzebelastung und Sport angestellt. Aber selbst ein eigenes Fach "Sportmedizin", wie es im Osten besteht und sich offenbar auch bei Ihnen entwickelt, wird hier nicht angestrebt."

Idee oder Spaß?

Der Unterschied von englischer und deutscher Sportauffassung wird klar. In England bleibt der Sport, der praktisch keine Gegner hat, immer Nebensache, wenn auch vielleicht die wichtigste aller Nebensachen. Niemand versucht, wie in Deutschland, ihn zur Hauptsache zu machen. Niemand versucht ihn aber auch zu systematisieren und zu vergeistigen. Es ist kein Wunder, daß Carl Diem, der in Indien und Japan begeisterte Adepten besitzt, in England nie verstanden wurde.

Fragt man die englischen Sportler, warum sie Sport treiben, so bekommt man gewöhnlich die Antwort: "Weil es uns Spaß macht." Von einer schönen Idee, für die es sich lohne, ein Leben lang zu wirken, wird man auf den britischen Inseln nichts hören. Der Sport wird nicht idealistisch überhöht, sondern pragmatisch betrieben.

Auch das Schicksal der Olympischen Spiele wird unter solcher Sicht viel optimistischer betrachtet als bei uns. Chataway meint, daß der Olympiade auch in Zukunft durch die Kommerzialisierung des Sports keine ernste Gefahr drohe. Die ganze Entwicklung sei doch natürlich. Die heutige Vollkommenheit im Sport verlange als Preis ein solches Maß an Zeit für das Training, daß es bei manchen Spitzensportlern ohne einen gewissen finanziellen Ausgleich einfach nicht mehr gehe.

Die reinen Berufssportler allerdings müsse man ausschließen. Als ich einwerfe, daß solche recht vernünftigen Auffassungen den alten Herren im Internationalen Olympischen Komitee aber recht ketzerisch in den Ohren klingen würden, nickte Chataway zustimmend.

Wir sprechen noch über Universität und Politik. In der Bundesrepublik bemerke ich, wo trotz allem Skeptizimus der Jugend doch noch das idealistische Extrem triumphiert, werde die Politik von den meisten Studenten immer noch als ein schmutziges Geschäft abgelehnt. Und wenn die Studenten politisch Stellung beziehen, dann nur selten in abgewogener und kompromißbereiter Weise. In England, meint der Staatssekretär, sei die politische Aktivität an den Universitäten immer sehr stark gewesen. Aber auch hier würden im Augenblick die Anhänger der EWG oder jene, die gegen die Bombe protestierten, sehr verschiedene Strömungen englischer Politik widerspiegeln.