Ich bin kein Künstler – wie plump ist der bloße Gedanke, sich für einen zu halten.

Vincent van Gogh

Endlich ein Allemond drôle

Mit Bezeichnungen wie "ein lächelnder Kafka" oder "Buster Kafka" wurde Reinhard Lettau, dessen "Schwierigkeiten beim Häuserbauen" soeben unter dem Titel "Promenade en carrosse" im Pariser Verlag Plon erschienen, von der französischen Kritik willkommen geheißen, spontaner als seinerzeit in Deutschland. Die Franzosen, denen immer nachgesagt wird, sie erwarteten von der deutschen Literatur vor allem Schwere und anstrengende Ruminationen, weil sie graziöse Leichtigkeit selber produzieren könnten, scheinen hier eine Ausnahme gemacht zu haben; jedenfalls schrieb der Rezensent von L’Express, Jacques Cabau: "Nach den Wellen anständiger Gefühle und schlechten Gewissens, nach der ganzen Kasuistik der Reue, die den deutschen Roman seit dem Ende des Krieges beschwerten, ist es ein Vergnügen, einen jungen Deutschen ohne Botschaft oder dokumentarischen Ehrgeiz zu entdecken, eine gelöste Inspiration, einen Eulenspiegelhumor, ein Buch, das kurz ist und beunruhigend wie ein guter Studentenstreich!"

Stellvertreter für den Stellvertreter

Da auf Münchens Bühnen "Der Stellverteter von Rolf Hochhuth nicht gespielt werden wird (die Intendanten weigerten sich unisono), will die Humanistische Studentenunion als Stellvertreter in München für den "Stellvertreter" einspringen. Im Juli wird die Hochschulgruppe (ein Zweig von Gerhard Szczesnys "Humanistischer Union") das Münchner Publikum in verschiedenen Lese-Aufführungen mit dem umstrittenen Text bekanntmachen. Die Rezitatoren werden von dem Funkregisseur Walter Ohm angeleitet.