Valentina Tereschkowa, die 26jährige sowjetrussische Kosmonautin, muß als sichtbarer Beweis der Gleichberechtigung von Mann und Frau auch von denen verstanden werden, die bis jetzt noch zögerten. Daß die strikte Gleichberechtigung in Rußland von den Frauen dadurch schwer erkauft ist, daß sie auch die schwersten Arbeiten auf dem Bau, in Bergwerken und als Straßenarbeiter ausführen müssen, wird dabei nicht ins Feld geführt, ebenso nicht, daß selbst in Rußland nur die Frauen Kinder gebären. Von "Vorrechten" der Frauen, die sie früher hatten, ist dabei auch keine Rede mehr. Aber Valentina Tereschkowa, eine charmante Verfechterin der Gleichberechtigung, erinnert in ihrer Botschaft daran, die sie vor ihrem Abschuß ins All proklamierte:

"Meine Herren, haben Sie mehr Achtung vor den Frauen, ehren Sie die Arbeit der Frauen, helfen Sie ihnen nicht nur im Beruf, sondern auch zu Hause. Meine Damen, tun Sie mehr Gutes, nicht nur im Beruf, sondern auch zu Hause."

Nach der Landung der Komonautin war im Rundfunk der Sowjetzone ein Interview mit mehreren Bürgerinnen zu hören.

Einige legten die Gründe dafür dar, daß nur eine Sowjetrussin diesen Pionierflug um die Erde machen konnte; englische Frauen beispielsweise seien dazu nie fähig:

1. weil Damen aus dem Mittelstand und gehobenen Schichten solch einen Flug nie riskieren würden;

2. weil Mädchen aus einfachen Kreisen nie die Gelegenheit geboten würde, diese kostspielige Ausbildung zur Kosmonautin zu absolvieren – soziale Schranken wirkten immer noch der Gleichberechtigung der Frau entgegen;

3. weil keine westliche Frau so viel Vertrauen in ihre Regierung hätte, daß sie glaube, das Unternehmen werde funktionieren. EvM.

Im Bild: Valentina, auch gerühmt als Fallschirmspringerin, ist in recht vielen Sätteln zu Hause