Lieber Freund,

vielleicht hast Du recht, wenn Du mir Verharmlosung vorwirfst, weil ich die "Kölnische Rundschau" mit einer verstimmten Blockflöte und "twen" mit einer verstimmten Jazztrompete verglich. Doch Dein Vorschlag, statt dessen, "verrostete Trillerpfeife" und "Hurendudelsack" als Vergleichsinstrumente zu wählen, erscheint mir dann doch als zu hart. Du kennst ja meinen alten Spruch: "Man muß die Dinge sehen, wie sie sind."

Du irrst natürlich, wenn Du annimmst, die Depressionen meines geistlichen Freundes hätten ihre Ursache im Zölibat. Ihr Puritaner habt offenbar "nichts als Weiber im Kopf", wie einer meiner zahlreichen geistlichen Onkel (beider Konfessionen – das ist das Interessante – und das verdanke ich meiner mischehelichen Abkunft!) zu sagen pflegte.

Ich fürchte, wenn Du Deinen Plan wahrmachst und eine Studie über den Zusammenhang zwischen Prominenz und Prostitution schreibst, daß Du ungerecht sein wirst. Ich meine natürlich gegen die Prostituierten. Aus demselben Grund ungerecht gegen sie, aus dem Du die Leiden meines Freundes auf dessen Enthaltsamkeit zurückführen möchtest.

Wenn Du überhaupt zu einem Ergebnis kommen willst, darfst Du freilich nicht vor den Geistlichen aller Konfessionen (nicht beider, wie man zu sagen pflegt, sondern aller – und es gibt auch Geistliche eines aufgeklärten, gottlosen Humanismus) haltmachen.

Die Prostitution ist ein, wenn auch verwerflicher, Beruf (es gibt viele verwerfliche Berufe!); Prominenz dagegen ist ein Status, der zu keiner Gegenleistung als zu der des gelegentlichen Lächelns verpflichtet.

Gewiß gibt es auch Berufsprominente. Bedenke jedenfalls, daß etwa das Fernsehen wacker zur Prostitution der Prominenz beiträgt (daß man nicht zusehen darf, wie sie sich rasieren und die Fußnägel schneiden, hat keine moralischen, sondern ästhetische Ursachen), daß es aber niemals eine echte Prostituierte ins Bild bringen würde, dürfte, könnte und wollte – dann weißt Du ungefähr, wo Scham und Diskretion noch eine wahre Heimat haben.