Von Johannes Jacobi

In Wien waren Festwochen. Ihr Programm ist so vielfältig geworden, daß ein einzelner verzweifeln müßte, der alles sehen, alles hören und gar noch ein Resümee formulieren wollte.

Wo mochten – läßt man die Musik beiseite, was einen Frevel an Wien bedeutet – die Rosinen im Schauspielkuchen stecken? Im Burgtheater?

Einige kritische Hintergedanken schmuggelte ich dennoch in das prachtstrotzende Gebäude ein. Hatte man seinen Zuschauerraum nicht im alten Stil der achtziger Jahre wiederaufgebaut? Wer die "Kaiserstiege" hinaufschreitet – "gehen" wäre zu vulgär in diesem Palast der Schauspielkunst – der meint, schon hier im Vorraum das Zungen-R der k.u.k. Burgschauspieler auf sich zurollen zu hören.

In Wien wird deutsch gesprochen. Das ist unbestreitbar. Ist es aber dasselbe Bühnendeutsch, das in den Theatern des "Altreichs" lebt, wie man – die Geschichte umkehrend – in Wien die nördlichen Überbleibsel des Bismarck-Staates nennt?

Seitdem Ernst Häußermann Burgtheaterdirektor ist, wird ein prominenter deutscher Schauspieler nach dem andern vom Burgtheater mindestens mit einem Teilvertrag verpflichtet. Und sie gehen gern nach Wien.

Bleiben sie dort? Kommen sie im nächsten Jahr wieder? Läßt sich daraus ein Ensemble formen?