Jacob wandte sich dabei auch gegen die Selbstjustiz innerhalb der illegalen Wehrverbände, die sogenannte Feme; sie beging in den frühen zwanziger Jahren mehrere hundert Fememorde, die ungesühnt blieben. In einem Artikel, der anter dem Titel „Plädoyer für Schultz“ in der „Weltbühne“ vom 22. März 1927 erschien, legte Jacob dar, daß die Reichswehr nicht nur eine moralische Schuld, sondern auch eine politische und militärisch-disziplinarische Verantwortung für diese Fememorde trüge. Das Schöffengericht Charlottenburg verurteilte ihn deswegen im 20. Dezember 1927 wegen Beleidigung zu zwei Monaten Gefängnis. Die Dritte Strafkammer des Landgerichts 3 von Berlin milderte allerdings im Berufungsverfahren die Strafe, indem sie lediglich eine Buße von 1000 Reichsmark aussprach und Jacob zubilligte, daß er sich „um die Aufdeckung eines Krebsschadens ernsthaft bemüht habe“.

Am 14. März 1928 wurde Jacob erneut verurteilt – diesmal vom Reichsgericht, das ihn wegen versuchten Landesverrates neun Monate Festungshaft zudiktierte, weil er auf Grund eines geheimen Organisationsplanes der Reichswehr in einem Artikel gezeigt hatte, wie die Abrüstungsbestimmungen des Friedensvertrages durch Einstellung sogenannter Zeitfreiwilliger in die Reichswehr umgangen wurden.

Diese Bestrafung Jacobs ist nur ein Ausschnitt aus jener ominösen Landesverratsjudikatur, mit welcher das Reichsgericht die heimliche Aufrüstung Deutschlands schützte und von der Carl von Ossietzky in der „Weltbühne“ vom 10. Mai 1932 schrieb: „Kritik (am Militär) wird Anmaßung, ja, Verleumdung. Anfechtung seiner Ansprüche Verbrechen an der Wehrhaftigkeit des Volkes. Ein Versuch, diese Ansprüche aus dem militärischen Geheimkabinett ins Licht des Tages zu ziehen, Verrat militärischer Geheimnisse, Verrat an der ganzen Nation.“ Thomas Mann gib damals zu bedenken: „Es ist eine furchtbare und demütigende Vorstellung, in einem Lande zu leben, wo über Erscheinungen der Unordnung gewaltsam mit Hilfe der Justiz Stillschweigen gebreitet werden soll.“

Im Sommer 1932 verließ Jacob Deutschland. Er ließ sich in Straßburg nieder, wo er seinen Kampf gegen die deutsche Wiederaufrüstung in dem von ihm herausgegebenen „Unabhängigen Zeitungsdienst“ (UZD) fortsetzte. Im Jahre 1933 wurde ihm daraufhin die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen; Jacob wurde staatenlos.

Die deutschen Behörden vermuteten, er unterhalte weiterhin Beziehungen zu hochgestellten Persönlichkeiten; in seinem Artikeldienst erwies er sich jedenfalls als außerordentlich gut informiert. Deshalb beauftragte Dr. Walter Richter, Kriminalkommissar bei der Gestapo, im Sommer 1934 einen gewissen Hans Wesemann, mit Jacob Verbindung aufzunehmen und diesen Beziehungen nachzuspüren. Wesemann lebte damals als Emigrant in London und wurde vom britischen Gewerkschaftsbund finanziell unterstützt. Er war – wie Jacob – Sozialdemokrat und hatte – wie Jacob – für die „Weltbühne“ geschrieben. Jacob kannte ihn seit 1923.

Wesemann machte sich auftragsgemäß darar., Jacob zu umgarnen. Wie er das tat, wird im Urteil des Basler Strafgerichtes so beschrieben:

„Er bestellte und honorierte regelmäßig eh Abonnement des ‚Unabhängigen Zeitungsdienstes‘ und sprach Jacob von der Lancierunj einer englischen Ausgabe. Ferner verwendet; er sich intensiv für eine von Jacob beabsichtigte Reise nach England zum Besuch eines Friedenskongresses sowie für die Beschaffung des erforderlichen Passes. Auch gab er Jacob den Vorschuß für eine beabsichtigte gemeinsame Beobachtungsfahrt ins Saargebiet und beteiligte sich auch sonst an angeblichen Erkundigungsreisen.“