Nur seiner Geschwätzigkeit verdankt der Chemiker, daß sein Volkswagen gerichtskundig wurde. In seiner Abteilung im Bundesverteidigungsministerium wurde zur Jahreswende 1961/1962 ein Bestechungsfall offenbar. Vertraulich äußerte sich Bollinger im Kollegenkreis, auch er habe einmal etwas von seiner alten Firma angenommen. Da sei zwar nichts Unrechtes drangewesen. Aber unangenehm sei es ihm doch ... Diese Mitteilung blieb nicht geheim:

Am 23.Januar 1962 stürmten Beamte des Abwehrdienstes und der Kriminalpolizei sein Dienstzimmer, hielten ihm einen Durchsuchungsbefehl vor und fragten ihn: "Wieviel Geld haben Sie von der Firma W. genommen?" Noch am gleichen Tage wurde Bollinger von Staatsanwalt Werner Hempler, erfahren in Korruptionsfällen, sieben Stunden vernommen. Gegen 22 Uhr nahm man ihm Hosenträger und Sockenhalter ab und gab ihn in Polizeigewahrsam. Dort verbrachte er die Nacht auf einer Holzpritsche. Bis zum Mittagessen am 24. Januar erklärte der verstörte Chemiker standhaft, die 5000 Mark habe er als Abfindung für seine Patente bekommen.

Staatsanwalt Hempler sagte in der Verhandlung aus: "Nach der Mittagspause änderte sich die Einstellung des Herrn Bollinger." Dazu hatte der Angeklagte vorher gesagt: "Zwölf Stunden lang bin ich verhört worden. Ich wußte gar nicht, was man von mir wollte. Dann fragte ich, ob mir das Geld etwa nicht zugestanden habe. Der Staatsanwalt sagte: ‚Nein, das war Unrecht, das hätten Sie nicht tun dürfen, denn ihre Patente waren ja gar nichts wert!‘ Wenn mir das ein Staatsanwalt sagt, habe ich keinen Grund zum Zweifeln. Außerdem sagte er mir, daß ich verhaftet würde. Alles wäre so klar, daß sich ein Rechtsbeistand, der ohnehin nur teuer wäre, erübrigen würde."

In der Verhandlung meinte ein ärztlicher Sachverständiger, Bollingers Verhalten während der Vernehmung hänge mit seinem damaligen "psychosomatischen Zustand" zusammen. Er leidet an einer Schädigung der Wirbelsäule. Durch sein nächtliches Pritschenlager im Polizeigewahrsam waren die Schmerzen verstärkt worden. Der Sachverständige schilderte ihn dazu als psychisch labil.

Staatsanwalt Hempler sagte als Zeuge, über Bollingers Patente habe er nichts weiter gewußt. "Mir schwebte vor, daß Bollinger die wissenschaftlichen Erkenntnisse anderer Firmen, die dem Ministerium vorlagen, in unzulässiger Weise an eine Einzelfirma weitergegeben hat." Informationen dieser Art konnte er ihm jedoch bis heute nicht beweisen. Er habe Bollinger intensive Vorhaltungen darüber gemacht, daß er seinen alten Chef so lange ohne Informationen hingehalten hatte.

Der Vorsitzende fragte: "Haben Sie dem Angeklagten Rechtsauskunft über seine Patente erteilt?" Der Zeuge verneinte. Ob die 5000 Mark für die Patente gerechtfertigt waren, wußte er nicht. Allein die Differenz zwischen dem Kaufbetrag des VW und dem tatsächlich erstatteten Betrag sei ihm gefährlich genug erschienen.

Der Vorsitzende: "Nehmen Sie mir es nicht übel, aber ich muß das fragen: Ist Bollinger eingeschüchtert worden?"