Zeuge Hempler: "Er war sich jederzeit darüber im klaren, daß ich mich mit dem Gedanken trug, ihn dem Haftrichter vorzuführen."

Staatsanwalt Dr. Wäscher fragte den Zeugen: "Hat der Angeklagte Sie gebeten, mit einem Verteidiger sprechen zu dürfen?"

Zeuge: "Ich kann mich nicht erinnern, ich glaube, nein."

Dr. Wäscher: "Haben Sie ihm davon abgeraten?"

Zeuge: "Ich sehe es als einen Akt der Wiedergutmachung an, daß solche Leute sich einen Anwalt nehmen, der viel Geld kostet. Schon aus diesem Grunde habe ich ihm sicher nicht davon abgeraten."

Vernehmung ohne Protokoll

Über die ersten zwölf Stunden der Vernehmung, in denen Bollinger die Bestechung leugnete, existiert kein Protokoll. Hempler nannte sie "nur eine informatorische Anhörung, um sich ein Bild zu machen". Verteidiger Graf von der Goltz wetterte: "Nur was Sie für wahr hielten, wurde protokolliert. Was Bollinger zu seiner eigenen Entlastung sagte und was er heute wieder sagt, steht nirgends. Sie waren auf jeden Fall der Meinung, daß er nichts für seine Patente zu bekommen hatte, trotz Urteil vom Bundesgerichtshof und Arbeitnehmergesetz."

Bei dieser Auffassung blieb der Staatsanwalt Hempler. Auch das Gericht war der Meinung, eine andere Version sei gar nicht vorstellbar: Es verurteilte Wilhelm Bollinger wegen schwerer passiver Bestechung zu fünf Monaten Gefängnis mit Bewährung für drei Jahre. Da das Gericht die Bewährung als Gunstbeweis ansah, soll Bollinger 1000 Mark an das Deutsche Rote Kreuz spenden. Zudem verfällt der Gegenwert des Volkswagens und des Gebrauchtwagens in Höhe von 6000 Mark der Staatskasse. Der Angeklagte F. wurde freigesprochen. Nina Grunenberg