Israel gleicht einem großen Treibhaus, in dem wirtschaftliche Experimente unternommen werden, die kein normaler Gärtner und kein Ökonom, der bei Sinnen ist, je für möglich gehalten hätte. In 15 Jahren wurde die Bevölkerung mehr als verdreifacht. Das bedeutet nicht nur, daß diese zusätzliche Menschenmenge mit Kleidung, Wohnung und Essen zu versorgen war, sondern auch, daß die Produktionskapazität entsprechend vergrößert werden mußte. Die Ansiedlung einer Familie auf dem Lande kostet aber mit allem Zubehör im Durchschnitt 15 000 Dollar, in der Stadt einschließlich der Kosten für den Arbeitsplatz 10 000 Dollar.

Ferner: ein Teil der Einwanderer sieht sich plötzlich aus Europa in ein unterentwickeltes Land versetzt und steht mithin psychologisch vor kaum geringeren Schwierigkeiten als der andere Teil, der ohne alle Bildung und Ausbildung übergangslos aus dem Mittelalter in einen überhitzten, werdenden Industriestaat verpflanzt wird. Überhitzt aber ist die Wirtschaft: Überinvestition, Überkonsumption und Überbeschäftigung sind die drei Merkmale.

Der Gouverneur der Bank, Horowicz, sagt, seine Schreckgespenster seien die drei D’s: demography (Verdreifachung der Bevölkerung), defence (die höchsten Verteidigungsausgaben der Welt) und development (riesige Investitionen: Städtebau, Kraftanlagen, landwirtschaftliche Erschließung, die die Inflationsgefahr erhöhen).

Alles hat sich seit 1950 rasant entwickelt. Im Jahr 1949 wurden 1 Million Leute zu 50 Prozent aus eigner landwirtschaftlicher Produktion ernährt, 1961 waren es bereits 2 Millionen Leute zu 75 Prozent. Das Bruttosozialprodukt ist jedes Jahr um 10 Prozent gewachsen, aber nur etwa 80 Prozent des Sozialprodukts sind selbst fabriziert worden, der Rest wurde durch Kapitalimport bestritten.

Ihr Glaube hat Berge versetzt

Nur dank des hohen Kapitalimports war es auch möglich, so ausgedehnte Investitionen vorzunehmen. Israel hat ein ordentliches Budget und ferner ein Entwicklungsbudget – letzteres ist zu 45 Prozent aus fremden Quellen gespeist. Seit der Existenz des Staates Israel sind vier Milliarden Dollar von auswärts ins Land geflossen, davon eine Milliarde Dollar aus der Bundesrepublik, vier Milliarden $, das ist ein riesiger Betrag, wenn man bedenkt, daß das Gesamtbudget derzeit 765 Millionen $ beträgt und bei Gründung des Staates sicher noch nicht einmal die Hälfte dieser Summe ausmachte.

Noch 1961 bestritt die Bundesrepublik 40 Prozent des israelischen Kapitalimports. Für 1966 rechnet der Gouverneur der Bank von Israel nur noch mit 60 Prozent der Kapitaleinfuhr von heute. Entscheidendes muß also geschehen. Gewiß hat die Regierung es jederzeit in der Hand, weniger Schiffe oder Fabrikanlagen zu importieren, aber was sie nicht unmittelbar in der Hand hat und was sehr notwendig wäre, sind drei Dinge: die Sparquote zu erhöhen, den Export zu steigern und den Lebensstandard auf das rechte Maß zu reduzieren. Viele sagen: "Wir leben weit über unsere Verhältnisse."