Mit Adenauer und anderen Regierungsvertretern sprach Kennedy auch über die wirtschaftlichen Sorgen der amerikanischen Regierung und die Schwierigkeiten der Zahlungsbilanz. Professor Erhard skizzierte in einer knappen, sachlich und überzeugend vorgebrachten Darlegung die Grenzen unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. "Schließlich", so sagte er dabei auch, "gehen zwar 15 Prozent unserer Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten, aber nur 4 Prozent des amerikanischen Exports in die Bundesrepublik." Über diese fragen wurde jedoch nur grundsätzlich gesprochen, nicht im Detail. Das machte die Überbrückung bestehender Meinungsverschiedenheiten natürlich leichter. harten Konturen dieser Dinge werden erst in den Expertenbesprechungen wieder sichtbar werden.

Über die multilaterale Atomstreitmacht brauchte nicht viel gesprochen zu werden. Auch hier sind sich die beiden im Prinzip einig. Die Kritik an dem Projekt ist aber zumal in England, Italien und Belgien so heftig, daß die Zustimmung Bonns über den endgültigen Ausgang des Unternehmens noch nichts besagt.

Zu den Möglichkeiten der Wiedervereinigung Deutschlands sprach Kennedy nur in akademischen Wendungen. Er glaubt nicht, wie er vor der Presse offen zugab, daß es gegenwärtig und in naher Zukunft eine reale Chance für die Überwindung der deutschen Spaltung gibt. Aber er will die Aussichten jedenfalls nicht durch die juristische Anerkennung Pankows erschweren. In der Paulskirche sagte er: "Ich predige keine leichte Befreiung, und ich mache keine leeren Versprechungen. Meine Landsleute sind jedoch fest von dem Grundsatz überzeugt, daß alle Menschen frei sein sollen und alle freien Menschen Anspruch auf Entscheidungsfreiheit haben."