STUTTGART (Württembergischer Kunsfverein): "Deutscher Künstlerbund"

Im wiederaufgebauten Kunstgebäude am Schloßplatz gastiert der Deutsche Künstlerbund mit seiner zwölften, bisher umfangreichsten Nachkriegsausstellung. Der Katalog verzeichnet 475 Arbeiten, einschließlich der Sonderschau "Druckgrafik – Farbig und Schwarz-Weiß". Im vorigen Jahr war die Ausstellung ausgefallen, um so höher waren diesmal die Erwartungen. Aber das Gesamtbild hat sich kaum verändert. Es sind so ziemlich dieselben Namen wie vor zwei und drei und fünf und acht Jahren, es sind häufig auch dieselben oder fast dieselben Bilder, innerhalb der engen Grenzen, mit denen viele Künstler ihren Aktionsradius einschränken. Kontinuierlichkeit oder Stagnation, je nach dem Standpunkt. Das Niveau hat sich gehalten. Nur die erhoffte Öffnung nach links oder nach rechts ist ausgeblieben. Von neuer Figuration und alter Figuration, von den globalen Ansätzen, den abstrakten Akademismus und informelle Monotonie zu überwinden, ist wenig zu spüren. Hans Hartung, Berliner Professor, Bildhauer und Künstlerbund-Präsident, spricht davon, daß die Maler, Bildhauer und Zeichner mit ihren Werken an dem geistigen Umwandlungsprozeß teilhaben, der unserer Zeit das faszinierende und vieldeutige Gesicht gibt. Ein Wunsch, eine Hoffnung. Die Ausstellung endet am 30. Juni.

BERLIN (Charlottenburger Schloß):

"Kunstgewerbemuseum"

Vor dem Krieg hatte Berlin eines der bedeutendsten deutschen Kunstgewerbemuseen, Im neuen Museumsviertel südlich des Tiergartens wird es ein eigenes Haus bekommen. Inzwischen ist es provisorisch im Schloß Charlottenburg untergebracht. Museumsdirektor Dr. Arno Schönberger gibt in der Eröffnungsschau eine Übersicht über tausend Jahre europäisches Kunsthandwerk, von Ottonischer Zeit bis zum Klassizismus. Sakrale und profane Werke der Goldschmiedekunst, darunter das Lüneburger Ratssilber, das dem Berliner Museum gehört und nach dem Krieg wieder nach Lüneburg gelangt war (ein anderer Glanzpunkt der Berliner Sammlung, der Welfenschatz, soll ebenfalls nach Berlin zurückkehren). Der Bestand an Gläsern und Textilien ist im Krieg fast restlos verlorengegangen, die Abteilung soll allmählich neu aufgebaut werden. Für den Herbst ist eine Sonderschau über die Berliner Porzellanmanufaktur geplant, die vor 200 Jahren gegründet wurde. – Der Ausdruck "Kunstgewerbe" ist schlecht und irreführend, ein Requisit aus der Gründerzeit aller dieser Museen, der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und sollte durch einen neuen Namen ersetzt werden, der das trifft, was diese Museen wirklich sammeln und zeigen.

TRIER (Städtisches Museum):

"Lapicque"

Charles Lapicque malte zu einer Zeit abstrakt, als das in Paris unerwünscht und tadelnswert war, um 1930. Er spielte nach dem Krieg eine Rolle im Kreis von Bazaine, Singier, Manessier, hatte teil an ihrem Erfolg und ihrem Ruhm, bekam 1953 einen Preis auf der Biennale und ist auf seine älteren Tage aus der Ecole de Paris, aus der abstrakten Reihe ausgebrochen. Er malt Landschaften, Ansichten von Rom, Venezianisch Nächte, sogar Allegorisches ("Triumph und Gericht"), in fauvistischer Farbexzentrik, grelles Rot und Violett in grüner Umgebung, mit einem linearen Schwung, der über die gepflegte Arabeske von Matisse bis ins Barocke zurückgreift, sich andrerseits, bei zartem Objekt, die zärtliche Linie Dufys zu eigen macht. Keinem Schema, keiner Doktrin verpflichtet, ein fröhlicher und vitaler Außenseiter, unmodern, antimodern, sehenswert. Bis zum 14. Juli in Trier, als künstlerischer Beitrag zur "Deufsch-Französischen Woche". g. s.