Beredte Klage über die Entwicklung auf dem Aluminiummarkt führt die Verwaltung der zum bundeseigenen VI AG-Konzern gehörenden Vereinigte Aluminium-Werke AG, Berlin-Bonn. In der Pressekonferenz zum Jahresabschluß 1962 war von starken Preiskämpfen die Rede, die der Inlandsproduktion schwer zu schaffen machen. Die Aluminiumhütten können sich zwar auf recht günstige Bedarfsprognosen stützen, aber gleichzeitig sind die Erzeugungskapazitäten – vor allem in Übersee – dem Verbrauchszuwachs kräftig vorausgeeilt. Die Folge sind harte Auseinandersetzungen auf umkämpften Märkten, die insbesondere den deutschen Erzeugern allmählich auf die Nerven gehen. Gegen einen "fairen Leistungswettbewerb zu einigermaßen gleichen Bedingungen" hätten die Inlandshütten gar nichts einzuwenden, heißt es dazu; aber "Was wir zur Zeit beim Aluminium haben, ist kein Wettbewerb ...", kommentierte Vorstandsvorsitzer Dr. Karl Röhrs die jüngste Entwicklung. Die Preise der deutschen Werke werden, wie es bei der VAW hieß, "massiv unterboten", und zwar mit Praktiken, die eindeutig gegen die Wettbewerbsregeln verstoßen. Hauptstörenfriede seien um jeden Preis absatzsuchende Überschußkapazitäten in den Vereinigten Staaten sowie die zu politischen Preisen über die Beneluxländer hereinkommenden Aluminiummengen aus dem Ostblock, vorwiegend aus der Sowjetunion.

Um sich gegen die Dumpingpraxis amerikanischer Einfuhren zu schützen, hat die VAW als Hauptbetroffener – 78 % der gesamten westdeutschen Hüttenaluminiumerzeugung werden in den vier VAW-Werken produziert – das Bundeswirtschaftsministerium um eine Intervention gebeten. Offenbar stehen aber die Chancen nicht rosig, über eine "Harmonisierung" der Einfuhrpolitik in der EWG den europäischen Markt vor dem Rohaluminium aus der Sowjetunion – das hauptsächlich in Belgien unkontrolliert und unlimiert eingeführt werden darf – "abzuschirmen". Denn die Beneluxländer sind – begreiflicherweise – an einer solchen Maßnahme nicht interessiert.

Für die deutschen Hütten wird sich das Blatt also vermutlich nicht so rasch wenden. Die VAW-Verwaltung hat mit einem ab 1. Juni geltenden Rabatt – der praktisch einer fünfprozentigen Preisermäßigung gleichkommt – eine erste, wenn auch bescheidene Konsequenz gezogen. Im übrigen kann sich das Unternehmen immerhin auf ein, wenigstens von der Menge her, zufriedenstellendes Geschäft stützen. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres stieg die gesamte westdeutsche Produktion an Hüttenaluminium um 14,8 %, die der VAW allein um 18,2 % gegenüber dem Vergleichszeitraum des Berichtsjahres.

Der Umsatz der Gesellschaft ist um 9,2 % auf 404 Mill. DM gestiegen; an dieser Ausweitung ist vorwiegend der Umsatz an selbst erzeugtem Hütten- und Umschmelzaluminium beteiligt. Diese Entwicklung ist eigentlich erstaunlich, da die Verwaltung gleichzeitig darüber berichtet, daß sie bei zwar unveränderten Grundpreisen für das Hüttenaluminium zu einigen gravierenden Korrekturen bei den Aufschlägen für Formate und Legierungen gezwungen war. Einfach gesagt: die Preise mußten gesenkt werden und die Erlöse gingen dadurch zurück. Dennoch läßt sich eine Beeinträchtigung der Ertragslage von dieser Seite her nicht feststellen. So räumt auch Vorstandsvorsitzer Dr. Röhrs ein, daß das Geschäftsjahr, wenn auch nicht gerade günstiger, so doch mindestens auch nicht schlechter war als sein Vorgänger. So erscheint der Rohertrag mit 166,8 Mill. DM nahezu in der gleichen Relation zum Umsatz wie im vergangenen Jahr.

Stärkere Belastungen ergaben sich – wie zu erwarten war – vor allem auf dem Lohnkontc, das um 7 Mill. DM gestiegen ist. Auch die um fast 6,4 auf 8,8 Mill. DM zurückgegangenen Beträge aus Gewinnabführungsverträgen haben das VAW-Ergebnis beeinträchtigt. Aber der am meisten ins Gewicht fallende Betrag, der den Gewinn im Berichtsjahr beeinflußt, sind die auf 44 (24) Mill. DM gestiegenen Abschreibungen, die damit fast 50 % des Grundkapitals der Gesellschaft ausmachten. Sie konnten so hoch schnellen, weil die Fertigstellung Rheinhütte sowie die dafür erforderliche Kraftwerkskapazität in Trimmersdorf im vergangenen Jahre einen Investionsaufwand von nicht weniger als 120 Mill. DM erforderten.

Die Bewältigung der großen Aufgaben rechtfertigt den Beschluß, die Dividende von 12 auf 10 % zu senken. Die nicht bundeseigene VIAG, alleinige Aktionärin der VIAG wird dagegen nichts einzuwenden haben, zumal sich in der Gewinnverwendung dieser Tochter Verlagerungen ergeben haben, die zur Stärkung der Unternehmen führen. Die VIAG hat zu der Finanzierung der Investitionen, die das Grundkapital nicht unerheblich übersteigen, wiederum mit einem langfristigen Darlehen in Höhe von 40 Mill. DM beigetragen, das zu einem späteren, noch nicht festgelegten Zeitpunkt in Grundkapital umgewandelt werden soll. Neumann