Ich bin überzeugt davon, daß die Auffassung, es gäbe eine große Zahl von nuklearen Elementarteilchen, auf einem Mißverständnis beruht", erklärte Professor Victor Weisskopf, der Direktor des europäischen Kernforschungszentrums CERN, in der amerikanischen Zeitschrift "Physics Today".

Der bekannte deutsch-amerikanische Gelehrte wendet sich in seinem Artikel gegen die verbreitete Meinung, die Hochenergiephysik habe sich in einem Dschungel von elementaren Bausteinen der Materie – in den letzten zehn Jahren wurden über dreißig solcher Partikel entdeckt – verloren. Zu dieser irrigen Auffassung seien die Physiker deshalb gelangt, weil sie jedes Antiteilchen einer Partikel zu einem neuen Elementarteilchen ernannt haben, ebenso jeden angeregten Zustand eines Teilchens und ebenfalls eine Reihe von Energiepaketen, wie zum Beispiel das Lichtquant. Weisskopf glaubt, man könne nur von zwei wirklich elementaren Partikeln sprechen, dem Baryon und dem Lepton. Alle anderen Teilchen seien lediglich verschiedene Formen oder Anregungszustände der einen oder anderen Partikel.

Das Elektron, das negativ geladene Teilchen, das den Atomkern umkreist, das Myon – wahrscheinlich ein schweres Elektron – und die ladungs- und masselosen Neutrinos sind nach dieser Theorie verschiedene Formen des Leptons, während die Bausteine der Atomkerne, das positiv geladene Proton und das ungeladene Neutron, zu den Formen des Baryons gehören. Die übrigen nuklearen Partikel sind verschiedene angeregte Zustände des Baryons, Energiequanten oder Kombinationen davon.

Nach Weisskopfs Hypothese wird das nukleare Feld, das den Atomkern zusammenhält, von den Baryonen erzeugt. Es besteht aus Energiepaketen, den sogenannten Feldquanten, die von den Baryonen ausgesandt oder absorbiert werden und auch mit diesen in Wechselwirkung treten können.