Die Deutsche Erdöl AG (DEA) in Hamburg ist nicht mehr recht im Tritt, weil das Kohlebein lahmt und von dem anderen Bein, dem Mineralöl, mitgeschleppt werden muß. Wie sich das 1962 ausgewirkt hat, ist von dem Unternehmen in einem Satz lapidar formuliert worden: "Das Jahr brachte der DEA Erfolge im Mineralölgeschäft und Enttäuschungen im Steinkohlenbereich." Das bedeutet, daß in dem Jahr, in dem der Gesamtumsatz um 10,5 % auf über 1,5 Mrd. DM erhöht werden konnte, die im Mineralölbereich erwirtschafteten Erträge weitgehend von der Steinkohle aufgefressen worden sind. Immerhin mußten auf die Beteiligung Rheinpreußen, die überdies im Gegensatz zum Vorjahr keine Dividende abführen konnte, zwölf Millionen DM wertberichtigt werden. Der Dividendenausfall und die zusätzliche Belastung haben das Unternehmen um so schwerer getroffen, als sich 1962 noch weitere Faktoren belastend ausgewirkt haben. Die Abschreibungen erforderten acht Millionen mehr, die Personalkosten stiegen um zehn Millionen und der Zinsmehraufwand um fast viereinhalb Millionen DM. Die Auswirkung all dieser Faktoren – die auch der Fiskus zu spüren bekommen hat – läßt sich an den ertragsabhängigen Steuern ablesen, die von fast 39 auf 15,6 Millionen DM zurückgegangen sind.

Dabei hat die Verwaltung sich energisch bemüht, mit Hilfe des Mineralöls den Belastungen aus dem Kohlebereich entgegenzuwirken. Der Anteil von Mineralöl und Chemie am Gesamtumsatz ist weiter auf 61,7 nach vorher 56,6 % erhöht worden, der Anteil der Kohle auf 26,3 (30,6) % bis zum Jahresende und inzwischen weiter auf 24 % konsequent abgebaut worden. Indes, auch die Ausweitung der Mineralölseite brachte nicht nur eitel Sonnenschein, denn zumindest im Chemiebereich mußten "bedauerliche" Erlöseinbußen hingenommen werden. Andererseits dürfte die seit einem längeren Zeitraum zu beobachtende Festigung der Preise für einige wichtige Mineralölprodukte, vor allem für Heizöl, die Erlössituation begünstigt haben. Aber auch diese Entwicklung konnte das Unternehmen nicht voll für sich nutzen, da die eigenen Raffineriekapazitäten nicht reichten, um den Bedarf zu decken, andererseits auch die Zukäufe von Fertigprodukten höhere Einstandspreise erforderten.

Das Bestreben, die Mineralölseite zu stärken, wird aus den Investitionen deutlich erkennbar, die im Bereich der Sachanlagen mit 144,7 Mill. DM ihren bisherigen Höhepunkt erreichten und überwiegend, nämlich mit gut 130 Millionen, dem Mineralölbereich zugute gekommen sind. Die weitere Stärkung des Mineralölbereichs spiegelt sich auch in der Prognose für 1963 wider. Jedenfalls meint die Verwaltung, wieder ein befriedigendes Gesamtergebnis erwarten zu können, weil die Ertragskraft des Mineralöls wieder positiv beurteilt werden könne. Die eigene Rohölförderung glaubt man auf 1,5 Millionen t erhöhen zu können. Mit einem positiven Beitrag der Kohlezechen aber rechnet die Verwaltung auch 1963 nicht. No.