Mit einer energischen Flucht nach vorn will sich die G. M. Pfaff AG, Kaiserslautern, aus der Zange befreien, in deren Griff sie 1962 durch die kräftige Erhöhung der Lohnkosten um 10,5 % bei einer Umsatzausweitung um nur 3,6 % geriet. Dazu gehört eine konsequente Straffung des Personalbestandes, der bereits im abgelaufenen Jahr um etwa 800 Beschäftigte verringert wurde und der auch in diesem Jahr weiter abgebaut werden soll. Außerdem soll eine Umschuldungsaktion dem Unternehmen einen besseren Liquiditätsstatus verleihen. Durch die Aufnahme eines Hypothekendarlehens von etwa 10 Mill. DM gelang es, einen großen Teil der kurzfristigen Verbindlichkeiten in lang- und mittelfristige Schulden umzuwandeln.

Bei Pfaff ist man überzeugt, daß die Haushaltsnähmaschine trotz wachsendem Wohlstands und steigender Zahlen der berufstätigen Frauen kein sterbendes Produkt ist. Offenbar von dem Pro-Kopf-Verbrauch in klassischen Wohlstandsnationen wie den USA, der Schweiz und Schweden ermuntert – dort besitzen 10 von tausend Einwohnern eine Nähmaschine, wogegen in der Bundesrepublik nur 9 von 1000 Bundesbürgern ein solches Gerät ihr eigen nennen – will Pfaff trotz des rückläufigen Prozentsatzes dieses Geschäftszweiges am Gesamtumsatz die Fertigung von Haushaltsnähmaschinen auch in Zukunft beibehalten.

Das Nähmaschinengeschäft gerät wegen seiner stark lohnintensiven Fertigung immer stärker in den Preissog der billiger produzierenden Niedrigpreisländer wie Japan und Indien. Im vergangenen Jahr war jede zweite in der Bundesrepublik verkaufte Nähmaschine ausländischen Ursprungs. Eine Erweiterung des Inlandabsatzes konnte deswegen nur durch Preisreduzierungen von etwa 5 % erreicht werden. Wenn man bedenkt, daß die gesamte deutsche Nähmaschinenproduktion 1962 um 17,58 Mill. DM auf 337 Mill. DM zurückging, bedeutet das geringe Umsatzplus der G. M. Pfaff AG noch ein verhältnismäßig gutes Ergebnis. Das Unternehmen konnte dabei offenbar Umsatzeinbußen im Haushaltsnähmaschinengeschäft durch einen günstigeren Geschäftsverlauf auf dem Industrienähmaschinen-Sektor kompensieren. Tatsächlich wird hier im Geschäftsbericht von Rekordumsätzen gesprochen, ohne daß allerdings Zahlen genannt werden. Das dritte Bein der Firma, die 1960 aufgenommene Fertigung von Werkzeugmaschinen und Förderanlagen, konnte sich allerdings noch nicht zu einer wirksamen Stütze entwickeln.

Der freundliche Geschäftsverlauf der G. M. Pfaff AG steht allerdings in schroffem Gegensatz zu der Kürzung der Dividende von 15 % auf 8 %. Von der Geschäftsleitung wird dieser Schnitt vor allem durch die wenig günstigen Marktperspektiven für die Zukunft begründet. Bis einschließlich April hatten die Umsätze unter denen der Vorjahresmonate gelegen. Erst seit Mai sei hier eine Wende eingetreten.

G. K.