Frankreichs Staatspräsident de Gaulle hat den transatlantischen Integrationsbestrebungen am Vorabend des Kennedy-Besuchs auf seine Weise noch einmal eine deutliche Absage erteilt: er beschloß, bis Ende dieses Jahres die französische Atlantik- und Kanalflotte dem NATO-Kommando zu entziehen, dem sie bisher im Kriegsfall unterstellt werden sollte. Seine Entscheidung betrifft etwa 25 Kriegsschiffe, darunter einen der neuesten Flugzeugträger.

Es wäre ein billiger Trost, wollte man sich einreden, damit ändere sich faktisch nicht viel. Gewiß hat de Gaulle seine Flotte bisher nur aus Versehen der NATO zugeteilt gehabt; er zog sie – welche Ironie! – erst zurück, nachdem ihm der scheidende SACLANT-Befehlshaber Admiral Dennison bei einem Abschiedsbesuch dafür gedankt hätte, daß die Franzosen noch immer in den NATO-Marinekommandos mitarbeiten. Aber daß der General seine Flotte gerade in diesem Augenblick zurückzog, war eine neue bewußte Demonstration gegen die Grundsätze des westlichen Bündnisses – gegen den Grundsatz der Unteilbarkeit der Verteidigung vor allem, auf den sich die Bundesregierung unter dem Beifall der Nation eben wieder ausdrücklich festgelegt hat.

Fünfundzwanzig Schiffe hin, fünfundzwanzig Schiffe her – auf sie kommt es weniger an. Was viel schwerer wiegt, sind die Motive und Absichten des Generals, die sein Beschluß abermals im bedenklichsten Licht erscheinen läßt. Wenn er nächste Woche nach Bonn kommt, muß ihm unmißverständlich bedeutet werden, daß die Deutschen seine Haltung für fatal halten. Th. S.