Seit Beginn dieser Woche gibt es in der Bundesrepublik nicht nur zwei sozialistische, sondern auch zwei liberale Studentenorganisationen. In Frankfurt gründeten FDP-Politiker und Studenten, die mit dem linksliberalen Kurs des Liberalen Studentenbundes (LSD) nicht einverstanden sind, den "Freien Demokratischen Studentenbund" (FDS). Beide fühlen sich gleichermaßen der FDP verwandt.

Der Bundesvorstand der FDP wird bereits am kommenden Sonnabend vor der unangenehmen Aufgabe stehen, zu den Auseinandersetzungen unter dem akademischen Nachwuchs der Liberalen Stellung zu beziehen. Eine Entscheidung dürfte ihm nicht leichtfallen, denn die Studenten beschwören den uralten inneren Konflikt des deutschen Liberalismus wieder herauf: Mit der Gründung des FDS haben sich abermals die Spannungen zwischen dem "freisinnigen" und dem "nationalen" Flügel entladen.

Um den FDS scheint sich zunächst die äußerste Rechte der Freien Demokraten versammelt zu haben: die beiden Rechtsaußen der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Walther Heilige und Josef Ertl standen Pate. In Münster tritt Dr. Ostertag als FDS-Gründer auf, der einst Vorsitzender des wegen seiner verfassungsfeindlichen Tätigkeit verbotenen "Bunds Nationaler Studenten" in Mainz war. In Göttingen betrieb der Kreis um den rechtsextremistischen Deutschen Studentenanzeiger" die Spaltung des LSD.

Ob der FDS unter diesen Umständen als legitimer und förderungswürdiger Sproß der Freien Demokratischen Partei anerkannt wird, ist zumindest ungewiß. Ebenso ungewiß wie das Schicksal des LSD, dem manche ein ähnliches Schicksal wie dem Sozialistischen Studentenbund voraussagen. Allerdings ist es kein Geheimnis, daß der Parteichef Erich Mende dem FDS gewisse Sympathien entgegenbringt. K. H.