Eine inselhafte Existenz ist unzeitgemäß

Von Hans Wenke

Auf dem 13. Hochschulverbandstag, der am 15. Juni in Berlin stattfand, sprach Professor Dr. Hans Wenke über das Thema "Der Akademiker und die Hochschule". Dabei nahm er auch zu zwei sehr umstrittenen Fragen Stellung, nämlich: Sollen Universitäten neue Disziplinen und Ausbildungsgänge aufnehmen? – und: Sollte das Studium verlängert werden? Professor Wenkes Stellungnahme zu diesen beiden Fragen erschien uns gut begründet und sehr beherzigenswert. Wir haben ihn daher gebeten, sie für die ZEIT – also für ein größeres und nicht speziell hochschulpolitisch interessiertes Publikum – noch einmal zu erläutern. Seine Antwort auf die zweite Frage, der nach der Dauer eines Studiums also, bringen wir nächste Woche an dieser Stelle.

Das Thema "Der Akademiker und die Hochschule" hat einen spezifisch deutschen Aspekt, der sichtbar wird, wenn man den Blick auf andere Länder richtet: Die Wissenschaftliche Hochschule ist die "Pflanzstätte der Akademiker". Wie soll sie sich dann dazu stellen, daß man heute in einer wachsenden Zahl von Berufen Akademiker herbeiwünscht und diesen Wunsch so resolut durchsetzt, daß die verstärkte Tendenz zur Akademisierung in die Augen springt?

Wer nicht selbst in der Hochschule steht, dürfte wohl – unbeschwert von spezifischen Berufserfahrungen – diese Frage so beantworten: Die "Pflanzstätten, der Akademiker" werden jubilieren, daß sie auf vermehrten "Absatz ihrer Produkte" rechnen können; sie werden außerdem in der steigenden Akademisierung eine großartige Bestätigung ihrer Tätigkeit finden, und sie werden sicherlich alles tun, um sich ihre Beliebtheit und Wertschätzung zu erhalten und sie womöglich zu verstärken.

Diese naheliegende Meinung finden wir aber im Kreise der Hochschule nicht. Von Jubel, Freude oder Genugtuung kann nicht die Rede sein. Abneigung gegen jede Art von Werbung für die eigene Sache verbindet sich mit äußerster Zurückhaltung, oft sogar mit erklärter schroffer Abwehr. Sie sind so mißtrauisch gegen die vermehrten Beweise der Zuneigung, daß man vermuten kann, sie fürchteten, in liebender Umarmung erdrückt zu werden.

Diese Haltung, die allen Erwartungen und sonstigen Erfahrungen widerspricht, muß ihre Gründe haben. Die Hochschulen sind jeder Werbung abgeneigt nicht nur, weil die heutigen Akademisierungstendenzen sie einer derartigen Mühe entheben, sondern auch deshalb, weil sie sich seit langem einer privilegierten Stellung im öffentlichen Leben erfreuen. Denn der Staat und – auf seiner Bahn folgend – die gesamte private Berufswelt, also der Handel, die Industrie, die Technik, die kulturellen Einrichtungen und Organisationen aller Art, haben den Hochschulen die Ausbildung für die führenden Stellungen übertragen und anvertraut.