Einer neuen Diagnose für Geisteskrankheiten glaubt die amerikanische Psychiaterin Dr. Hildegard Maricq auf der Spur zu sein.

Sie stellte bei mikroskopischen Untersuchungen fest, daß die Kapillaren in den Fingerkuppen von Schizophrenie-Patienten ein charakteristisches Muster bilden.

Dieses Kapillar-Muster konnte die Ärztin bei siebzig von hundert Schizophrenen beobachten, in deren Familien die Geisteskrankheit bereits früher aufgetreten ist. Dagegen war es nur bei 19 Prozent der Kranken festzustellen, von denen keine familiäre Schizophrenie-Vorgeschichte bekannt war. Von den sechzig untersuchten Gesunden wiesen nur zwei jene Anomalie in der Anordnung der Fingerkapillaren auf.

Zivilisiert durch Handikap?

Farbenblindheit mag den Anstoß dazu gegeben haben, daß die Menschen das primitive Jägerdasein aufgegeben haben und zivilisierte Siedler geworden sind, meinen die Mediziner James V. Neel und Richard H. Post von der Universität Michigan.

Für einen Menschen, der Farben nicht zu unterscheiden vermag, ist das Jagen wilder Tiere sehr gefährlich; zumindest wird ein solcher Mann wenig Jagdglück und daher in einem reinen Jägerstamm kaum Aussichten haben, eine Familie zu erhalten. Nach dem Auslesegesetz der Evolution hätte daher die Farbenblindheit, die einen erheblichen Defekt darstellt, aussterben müssen, folgern die beiden amerikanischen Forscher, und die Tatsache, daß dies nicht geschehen ist, hat sie zu der Vermutung veranlaßt, farbenblinde Stammesangehörige hätten aus ihrem Handikap eine Tugend gemacht, indem sie damit begannen, Landwirtschaft zu betreiben.