Die Behörden in Pankow möchten uns weismachen, daß das kirchliche Leben in der Zone eigentlich überhaupt keine Rolle mehr spielt und der staatlich geförderte Atheismus von Jahr zu Jahr stärkere Wurzeln schlägt. Die nur am Rande vermerkten Zahlen aus einem mitteldeutschen Kirchenkreis – veröffentlicht im Berliner Sonntagsblatt – lassen aufhorchen, und sie erlauben den Schluß, daß dem gar nicht so ist. Vielmehr scheint in der Zone das kirchliche Leben an Intensität zu gewinnen. Während in den Jahren von 1951 bis 1961 die Zahl der Taufen, Konfirmationen und kirchlichen Trauungen und Beerdigungen rapide sank, blieb die Zahl derer, die am Abendmahl teilnahmen, relativ konstant – und die Summe der freiwilligen Spenden wuchs fast auf das Vierfache.

Der Kirchenkreis, aus dem die Zahlen stammen, wird mit Bedacht nicht genannt. Er umfaßt rund 100 000 Menschen, die in einer mittleren Industriestadt leben und in einer Anzahl von Dörfern um diese Stadt herum. Der Kreis ist traditionell evangelisch, und während die Zahl der evangelischen Christen 1950 offiziell noch mit 80 000 angegeben wurde, verzichtet man heute auf Angaben, die sich auf die Mitgliedschaft zur Kirche beziehen.

Am stärksten gingen in den Jahren 1951 bis 1961 die Taufen, Trauungen und Konfirmationen zurück.

Taufen:

1951: 1103 1956: 786 1961: 349

Trauungen:

1951: 566 1956: 282 1961: 171