Von Rudolf H. Schlesinger (New York)

In letzter Zeit ist in Europa, besonders auch in der Bundesrepublik, das Interesse für auf den Bahamas und in Bermuda verwaltete Investmentfonds gewachsen. Die Ursache hierfür sind gewisse Vorteile, die diese "Insel-Fonds" vor anderen Investmentfonds bieten, besonders gegenüber den in den USA beheimateten Investmentgesellschaften. Nassau, als Finanzzentrum der britischen Kronkolonie der Bahamas, mit seinen großen und gut fundierten Banken, scheint geradezu ein idealer Platz für Fonds. Ganz abgesehen davon, daß Nassau selbst ein wichtiges Bank- und Finanzzentrum ist, bietet die Nähe zu den Vereinigten Staaten die beste Voraussetzung für eine enge Verbindung mit den dortigen "Investment Advisers" der Fonds, deren Hauptaktivität sich auf die Vereinigten Staaten erstreckt. Den Anlegern kommen praktisch die gleichen Vorteile der Beratung und Überwachung ihrer Kapitalanlagen zugute, wie man sie bei den in den USA selbst niedergelassenen Investmentfonds schätzt.

Der bei weitem größte Vorteil für Kapitalanlagen auf den Bahamas und in Bermuda ist steuerlicher Natur. Am allerbesten schneiden Gesellschaften ab, die ihren Sitz in Curaçao haben. Sie gelangen in den Genuß eines Steuerabkommens zwischen den Vereinigten Staaten und den niederländischen Antillen, wonach sie nur einer Dividendenbesteuerung von 15 % – anstatt des für amerikanische Aktien üblichen Satzes von 30 % – unterworfen sind. Voraussetzung hierfür ist allerdings, daß sich die Fonds im Besitze von Personen befinden, die weder amerikanische Bürger sind noch in den Vereinigten Staaten wohnen. Ähnliche Vorteile bieten sich auch für die Besitzer jener Investmentfonds, die in Nassau oder Bermuda verwaltet werden. Die nichtamerikanischen Besitzer dieser Kategorie entgehen der in den Vereinigten Staaten sonst fälligen Dividendensteuer von 30 % (bzw. von 27 1/2 % bei Transaktionen über Kanada); außerdem sind alle nichtamerikanischen Inhaber von Fondsanteilen jener Fonds, die ihre Geschäftstätigkeit von den Bahamas (Nassau) und Bermuda aus betreiben, von der amerikanischen Kursgewinnsteuer befreit. Dies ist der größte Vorzug gegenüber den amerikanischen Fonds. Denn daraus ergibt sich die Möglichkeit, kurzfristige Börsengewinne mitzunehmen. In den Vereinigten Staaten halten die Fonds, soweit irgend möglich, ihre Effekten mindestens sechs Monate in Besitz, um der hohen Kursgewinnsteuer zu entgehen. Die in den Bahamas und Bermuda verwalteten Fonds sind also sehr viel beweglicher. Dieser Tatbestand wird von den in den Vereinigten Staaten beheimateten Investmentgesellschaften naturgemäß nicht gern eingestanden.

Zu den bekanntesten Fonds auf den Bahamas gehören: The First Bahamas Investment Trust, der North American Investment Fund N.V., die Canabam Ltd., der International Cooperative Fund und die International Electronics Company, Curaçao, N.V. In wohlinformierten New Yorker Finanzkreisen wird außerdem der International Electronics Company, Curaçao, N.V. ganz besondere Bedeutung beigemessen. Es handelt sich hierbei um einen sogenannten "Open End Mutual Fund", der gemäß der Gesetzgebung der niederländischen Antillen konstituiert ist. Das Ziel dieses Ende 1958 gegründeten Mutual Funds besteht darin, den Anforderungen und Interessen von Anlegern zu entsprechen, die weder Bürger der USA noch in den Vereinigten Staaten wohnhaft sind, und die an ausgesprochen zukunftsträchtigen Unternehmungen der elektronischen Industrie teilhaben wollen. Der Fonds ist in Hamburg (Brinckmann, Wirtz & Co.), in Amsterdam (H. Albert de Bary & Co.) und in Zürich (Privatbank & Verwaltungsgesellschaft) vertreten. Ein weiterer Vorzug dieses Fonds besteht darin, daß er von der Trust Corporation of Bahamas verwaltet wird, deren Aktionäre Morgan & Co. in New York, Morgan Grenfall & Co. in London, die Montreal Trust Co. (in Montreal und die Hongkong & Shanghai Banking Corp.) in London sind. Als Investmentberater fungiert der in amerikanischen Finanzkreisen sehr geschätzte John P. Chase. In New Yorker Finanzkreisen spricht man davon, daß die amerikanischen Gesellschaften, die sich im Portfolio dieses Fonds befinden, für 1963 überdurchschnittliche Gewinnchancen verheißen.