Es ist erstaunlich still geworden um die Pläne für ein neues Hamburger Passagierschiff. Zwei Reedereien, die Hamburg-Atlantik Linie und die Hamburg-Südamerikanische Dampfschifffahrtsgesellschaft (Oetker) hatten sich eingehend damit beschäftigt, ein neues Passagierschiff für die Repräsentanz der Nation auf dem Nordatlantik in Auftrag zu geben. Gebaut worden wäre wahrscheinlich nur eines – das von Oetker geplante, für das der Architekt Cäsar Pinnau schon verschiedene Entwürfe zu Papier gebracht hatte.

Oetker hatte erreicht, was noch keinem anderen Reeder gelungen war: Vom Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen erhielt er die Zusicherung, bereits vom Zeitpunkt der Auftragserteilung an Abschreibungen vornehmen zu können und nicht erst vom Datum der Fertigstellung an. Hamburg hätte ihm Kredite verbürgt und noch andere günstige Konditionen geboten. Doch nach den ersten, durchaus erfolgreichen Gesprächen mit dem Hamburger Finanzsenator Weichmann ließ Oetker nichts mehr von sich hören

Die Hansestadt Hamburg hat es nicht leicht mit der Tradition der Passagierschiffahrt. Zwar gibt es an der Elbe die "Hanseatic", doch werden die gegen rote Zahlen allergischen Hamburger dessen nicht recht froh.

Nun gibt es bei dem Neubauprojekt zwar schwierige, jedoch nicht unlösbare Fragen. Bei der einen Reederei beispielsweise, die über das notwendige Eigenkapital verfügt – der Hamburg-Süd –, fehlen jene Persönlichkeiten, die einen Passagierdienst betriebswirtschaftlich erfolgreich betreiben könnten. Die Hamburg-Atlantik Linie dagegen hat Kräfte mit diesen Erfahrungen – nur leider mangelt es ihr an dem notwendigen Eigenkapital. Gespräche, die beiden Unternehmen zusammenzuführen, blieben jedoch ohne sichtbares Ergebnis.

Bleibt also für Hamburg nur der erstaunte Blick nach Bremen,, wo der Norddeutsche Lloyd beweist, daß solide Passagierschiffe mit einem erstklassigen Service die Konkurrenz des Flugzeuges nicht zu fürchten. brauchen? Wenn die Hamburg-Amerika Linie (HAPAG) ihren Geschäftsbericht für 1962 vorlegt, wird man sich nicht nur in Hamburg fragen, warum der Vorstand dieser Gesellschaft darauf verzichtet hat, auf diesem Gebiet mit dem Norddeutschen Lloyd zusammenzuarbeiten, wie es in der Frachtschiffahrt seit langem zum Vorteil beider Linien geschieht. Eine Zusammenarbeit der beiden Linien scheint Hamburgs letzte Chance zu sein, nicht still von dem Nordatlantik abzutreten und der Hafen-Dampfschiffahrtsgesellschaft mit ihrem Dienst nach Helgoland allein die Tradition der Hamburger Passagierschiffahrt zu überlassen. C. B.