Kurz und gut", sagt der Klappentext genüßlich, "ein echter Linklater." Und dann wird The Times Literary Supplement zitiert: "Ein sehr geistvolles und witziges Buch, voll hemmungsloser Vitalität, gelegentlich auch zärtlich, voll schöner Dialoge und gutem Essen." Die Glücklichen. Sie konnten den Roman auf Englisch lesen.

Den deutschen Lesern bleibt dagegen nichts, als diesen Angaben über die Qualität des Romans von

Eric Linklater: "Die fidele Muse", deutsch von Fritz Lorch; Sigbert Mohn Verlag, Gütersloh; 319 S., 18,80 DM

blind zu vertrauen und sich ununterbrochen vorzustellen, wie die einzelnen Sätze – auf Englisch oder auf Deutsch – so brillant oder treffend oder boshaft oder humorvoll klingen und gemeint sein könnten.

Das, was vom Verlag als "Übertragung ins Deutsche" bezeichnet wird, gestattet dem Leser nur, sich einen rohen Überblick über die Geschehnisse des Romans zu verschaffen: Ein Manuskript unanständiger, aber genialer Verse wird entdeckt, gestohlen, versteckt, wiedergefunden, ausgehandelt, abermals entführt, und löst eine höchst remarkable Kettenreaktion bei einer Reihe höchst lebensstrotzender Personen aus. Ein Mann in den besten Jahren verliebt sich in die Schulgefährtin seiner Tochter. Diese Tochter hat eine Affäre mit einem schwermütigen Dichter, dem der Vater die unanständigen Verse zum Begutachten brachte. Der Dichter wird zum Trinkkumpan des Mannes seiner Geliebten, die ihm das Manuskript entwendet. Der Vater gerät in die Zwickmühle zwischen seiner prüden und geldgierigen Schwester (der das Manuskript gehört), seiner egoistischen und anspruchsvollen Geliebten und seiner fabelhaften Frau, während die Tochter sich als echte, heftige Feindin der Geliebten des Vaters entpuppt und ihr genau das vorwirft, was sie selber getan hat.

Verwicklung genug, geschickt, ironisch und sparsam verwendet. Man schmeckt, wie rasch und boshaft der Dialog, wie trocken und sicher der Humor sein müssen. Und man fragt sich zum -zigsten Male, warum sich ein großer Verlag nicht jemanden engagieren kann, der Übertragungen ins Deutsche übersetzt.

Aus Linklaters saftigem Schottlandroman mit seinen Seitenhieben auf die Liebenswürdigkeiten menschlicher Schwächen wäre ein lesenswertes Buch geworden. Sybil Gräfin Schönfeldt